Rekordhoch bei Arbeitslosenzahl, Renzi will Arbeitsmarkt reformieren

Die etwas bessere Konjunktur in Italien schlägt sich vorerst nicht auf dem Arbeitsmarkt nieder. Im Jänner kletterte die Arbeitslosigkeit auf den bisherigen Höchstwert von 12,9 Prozent. Das Schreckgespenst eines Wirtschaftsaufschwungs ohne Beschäftigungsplus wirft einen düsteren Schatten auf die neue Regierung des italienischen Premiers Matteo Renzi, die gerade ihre Arbeit aufgenommen hat.

Rom – Die neu veröffentlichten Angaben des nationalen Statistikamts Istat, nach denen 2013 rund 3,1 Millionen Italiener arbeitslos waren, bezeichnete Italiens Premier Matteo Renzi als erschütternd. Die Jugendarbeitslosigkeit, die mit 42,4 Prozent ebenfalls einen neuen Rekord markierte, ist für den 39-jährigen Regierungschef ein großer Grund zur Sorge. Der erste große Schritt der Regierung werde die Verabschiedung des „Job Act“ sein, der Arbeitsmarktreform, mit der er die Beschäftigung in Italien wieder ankurbeln will, kündigte Renzi an.

Entlastung der Unternehmen, die Personal mit unbefristeten Arbeitsverträgen einstellen, und ein abgeschwächter Kündigungsschutz sind einige Schwerpunkte seines Programms. Im Gegenzug dazu sollen Arbeitnehmer, die ihren Job verlieren, höhere Sozialleistungen erhalten.

Neues Modell für Arbeitsverträge

Renzi plant auch ein neues Modell für Arbeitsverträge. Ein Standardvertrag soll die bisherige Vielfalt von Arbeitsverträgen zu einem großen Teil ersetzen. Dabei sollen die Rechte der Arbeitnehmer erst mit wachsender Vertragsdauer zunehmen. Die bisher in den unbefristeten Arbeitsverträgen vorhandene Garantie „gegen ungerechtfertigte Entlassungen“ soll erst nach drei Jahren gelten.

Die Chefin des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL, Susanna Camusso rief Renzi zu einem Treffen mit den Sozialpartnern auf, um gemeinsame Strategien zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu entwickeln. „Der Einsatz für mehr Beschäftigung muss absolute Priorität der Regierungsarbeit sein“, kommentierte Camusso. Sie klagte über eine „dramatische Beschäftigungssituation“.

2013 waren 3,1 Millionen Italiener arbeitslos

Die rechtspopulistische Oppositionspartei Lega Nord drängte zur sofortigen Abschaffung einer von der Regierung Mario Monti verabschiedeten Pensionsreform, die die Italiener zum längeren Verbleib am Arbeitsplatz zwingt. Dadurch wäre ein Generationswechsel in Italiens Arbeitswelt möglich“, betonte der Lega-Parlamentarier Massimiliano Fedriga.

Seit Beginn der Krise 2008 hat eine Million Italiener den Job verloren, teilte das nationale Statistikamt Istat am Freitag mit. Insgesamt waren 2013 rund 3,1 Millionen Italiener arbeitslos. In Süditalien betrug die Arbeitslosigkeit 19,7 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten in Italien ist 2013 um 478.000 Personen gesunken, was einem Minus von 2,1 Prozent gegenüber dem Jahr davor entspricht. Das ist das schlechteste Jahr seit Beginn der Krise 2008. Die Hälfte der Arbeitslosen - 1,45 Millionen Personen - lebt in Süditalien. (APA)


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