Wenn die Garderobe fremdgeht

Nicht immer besteht eine Haftung, wenn abgelegte Kleidung in öffentlichen Einrichtungen unauffindbar ist. Wertsachen oder Bargeld sollten überhaupt nie im Mantel bleiben.

Von Markus Schramek

Innsbruck – Das Konzert ist zu Ende, der Abgangsapplaus verhallt. Jetzt strömen die Besucher zur Garderobe. Jacken, Mäntel und sonstiger vorher deponierter Ballast sollen abgeholt werden.

Was aber, wenn das gute Stück nicht mehr auffindbar ist und sich zu allem Überfluss auch noch die Geldtasche darin befunden hat? Wer haftet in einem solchen Fall?

Die TT hat den Experten Thomas Geiger von der Wirtschaftskammer Tirol befragt. Er erläutert die Gesetzeslage und gibt wichtige Hinweise, damit nach einem rauschenden Fest oder einem feinen Abend im Restaurant nicht eine böse Überraschung droht. Denn Garderobe ist nicht gleich Garderobe.

1. Haftung Ja. Eine Haftung durch den Veranstalter bzw. den Saalbetreiber besteht laut Geiger dann, wenn an der Garderobe Personal Kleidung in Empfang nimmt und dafür eine Wertmarke aushändigt.

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Ein weiteres Indiz für eine bestehende Haftung ist es, wenn für die Garderobe ein Entgelt verlangt wird. Das ist aber kein Muss. Geiger: „Wenn jemand da ist, um auf die Kleidungsstücke aufzupassen, kann man von einer Haftungsverpflichtung ausgehen, auch wenn die Garderobe gratis angeboten wird.“

2. Haftung für Wertsachen? Es kommt vor, dass Kleidung mitsamt Wertsachen wie Geldtaschen, Handys oder Autoschlüssel abgegeben wird. Gilt die Haftung auch für den Inhalt der Jackentaschen? „Nein“, sagt Geiger und verweist auf einschlägige Gerichtsentscheidungen. Demnach muss der Betreiber einer Garderobe nicht davon ausgehen, dass ihm jemand ein Trenchcoat mitsamt eingesteckter Rolex zur Verwahrung übergeben könnte.

3. Haftung Nein. Klar ist die Rechtslage auch im Fall von unbeaufsichtigten Garderoben wie sie in Cafés, Restaurants oder Bars anzutreffen sind. Kleiderhaken laden zwar dazu ein, warme Überbekleidung aufzuhängen. Kommt davon etwas abhanden, gibt es aber keine Haftung des Wirtes oder Lokalbesitzers. „Bei solchen Garderoben ist jeder selbst für seine Kleidung verantwortlich“, warnt Geiger. Manche Wirte untermauern dies noch zusätzlich mit Schildern wie „Für die Garderobe wird keine Haftung übernommen“.

Tausende Kleidungsstücke in Verwahrung

Die Congress und Messe Innsbruck GmbH

(kurz CMI) ist mit Messe und Congress Innsbruck sowie Congress Igls einer der größten Betreiber von Veranstaltungssälen (500.000 Besucher pro Jahr). Wir haben nachgefragt, wie das Garderobewesen organisiert wird.

Eine für 100

ist die Faustregel bei der CMI. Pro 100 Garderobestücken wird eine Mitarbeiterin eingesetzt. Das Personal nimmt bei größeren Events bis zu 2800 Kleidungsstücke in Verwahrung. Diese sind auch versichert. Was in den Innentaschen steckt, ist von der Haftung jedoch ausgeschlossen. Besucher werden extra darauf hingewiesen. Die genaue Versicherungssumme ihrer Haftpflichtversicherung will die CMI nicht bekannt geben. Diese sei jedoch „recht hoch“.

Verschwundene Kleidung

taucht in der Regel wieder auf. Meist handelt es sich nämlich um Verwechslungen, wenn sich etwa Mäntel zu ähnlich sehen.

Aus Sicherheitsgründen

sind Besucher dazu angehalten, ihre Garderobe abzugeben. Die Mitnahme von Kleidung in das Saalinnere könnte Fluchtwege blockieren.


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