440.843 ohne Job: Arbeitslosigkeit um 9,3 Prozent gestiegen

Die stärksten Zuwächse unter den Arbeitslosen gab es erneut bei den Langzeitarbeitslosen. Hier kam es im Februar zu einem Anstieg um 43,3. Am Lehrstellenmarkt hat sich die Lehrstellenlücke auf fast 2000 erhöht.

(Symbolbild)
© APA/Pfarrhofer

Wien - Im Februar hat sich der negative Trend am heimischen Arbeitsmarkt fortgesetzt, die Zahl der Arbeitslosen ist auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Per Ende Februar waren in Österreich 440.843 Personen ohne Arbeit, 356.745 davon waren arbeitslos, weitere 84.098 befanden sich in AMS-Schulungen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit hat sich minimal von 9,5 Prozent im Jänner auf 9,3 Prozent verlangsamt.

Auch in den kommenden Monaten müsse noch mit steigenden Arbeitslosenzahlen gerechnet werden, so die Einschätzung von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Montag in einer Presseaussendung. Die Politik werde mit Maßnahmen wie dem Arbeitsmarktpaket für Ältere weiterhin alles unternehmen, um die Lage der Arbeitssuchenden zu verbessern.

Ältere und Behinderte besonders betroffen

Besonders stark betroffen vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren erneut ältere und weniger qualifizierte Personen sowie Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen zog um 20,3 Prozent an, bei den Behinderten sogar um 29,5 Prozent. Männer waren mit einem Anstieg um 7,0 Prozent weniger stark betroffen als Frauen mit 13,5 Prozent, Ausländer mit 16,2 Prozent stärker als Inländer mit 7,2 Prozent.

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Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stieg nur um 3,9 Prozent. Am Lehrstellenmarkt zeigte sich allerdings eine Lehrstellenlücke, die sich um 513 auf 1.935 vergrößert hat. 2,3 Prozent mehr Lehrstellensuchenden standen um 12,2 Prozent weniger offene Stellen gegenüber. Insgesamt hat sich die Zahl der offenen Stellen im Februar um 0,8 Prozent auf 24.554 verringert.

Positiv ausgewirkt hat sich der frühe Frühlingsbeginn und die langsam anziehende internationale Konjunktur. Seit Jahresbeginn fanden um 5,8 Prozent mehr Personen eine Beschäftigung. Vor allem die Baubranche profitierte vom milden Winter: Erstmals seit zwei Jahren war hier die Arbeitslosigkeit im Februar rückläufig, nämlich um 2,1 Prozent. Deutlich mehr Arbeitslose gab es dagegen etwa in den Gesundheits- und Sozialberufen (+16 Prozent), im Tourismus (+14 Prozent) und auch im Handel (+13 Prozent).

Unter den Bundesländern verzeichnete Wien mit plus 13 Prozent den größten Anstieg bei den Arbeitslosen. Am geringsten fiel er im Burgenland mit +5,4 Prozent aus.

ÖGB: Lage der Älteren am Arbeitsmarkt dramatisch

Die nationale Arbeitslosenquote erhöhte sich um Februar um 0,7 Punkte auf 9,4 Prozent, die Arbeitslosenquote Älterer stieg auf 10,4 Prozent. Im europäischen Vergleich liegt Österreich mit den jüngsten Eurotstat-Daten vom Jänner mit einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent und einer Jugendarbeitslosenquote von 10,5 Prozent noch immer im Spitzenfeld.

Die zahlreichen Reaktionen auf die veröffentlichten Arbeitsmarktdaten befassten sich vorwiegend mit der steigenden Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen. Noch nie waren in Österreich nämlich so viele Menschen im Alter über 50 erwerbstätig und arbeitslos wie derzeit. Im Februar waren 793.000 der Generation 50plus erwerbstätig, gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit um 20 Prozent auf 91.017.

„Die Lage der Älteren am Arbeitsmarkt ist dramatisch“, meinte heute Bernhard Achitz vom ÖGB. Es müsse für Betriebe deutlich teurer werden, ältere Beschäftigte vor die Tür zu setzen, etwa durch das Bonus-Malus-System. Die Devise müsse: „Umschulen statt Rauswerfen“ lauten, so Achitz.

SPÖ-Pensionistenchef Karl Blecha forderte heute ein „radikales Umdenken in der Arbeitswelt, in den Köpfen der Firmenchefs und in den Personalabteilungen“. Dass heute Menschen ab 50 als „zu alt“ für den Arbeitsmarkt gelten, sei ein Skandal. Auch er spricht sich für ein Bonus-Malus-System aus.

Arbeitsmarktpaket soll für Entspannung sorgen

ÖVP-Seniorensprecherin Getrude Aubauer fordert, dass die im Regierungsprogramm vereinbarte Teilpension nun zur Jahresmitte in Kraft treten müsse. Zusätzlich sollte die „Aufschub-Bonuspension“ Frauen mit 60 und Männer mit 65 ermutigen, ihre Pension nicht anzutreten, sondern freiwillig noch einige Zeit (auch in Teilzeit) weiterzuarbeiten.

Laut Sozialminister Hundstorfer wird das Arbeitsmarktpaket für Ältere, das dieses Monat im Parlament beschlossen werden soll, für eine Entspannung sorgen. Demnach werden in den nächsten drei Jahren 350 Mio. Euro zur Beschäftigungsförderung für die Generation 50plus bereitgestellt.

Auch der Österreichische Zivil-Invalidenverband (ÖZIV) meldete sich angesichts stark steigender Arbeitslosenzahlen bei Behinderten zu Wort. ÖZIV-Präsident Klaus Voget fordert mehr spezielle Angebote und mehr Mittel für diese Zielgruppe, sowie eine Erhöhung der Ausgleichstaxe.

Für die Industriellenvereinigung (IV) stellt die im Rahmen des Arbeitsmarktpakets beschlossene Senkung der Arbeitszusatzkosten um rund 200 Mio. Euro ein Signal in die richtige Richtung dar, um die steigende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. (APA)


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