„Strom für immerwährende Zeiten“

Wiener Firma wollte bereits 1929 ein Sannakraftwerk zur Versorgung von Landeck bauen. Doch die Weltwirtschaftskrise vereitelte die Pläne. Partner des aktuellen Projekts sollen zur Jahresmitte feststehen.

Von Helmut Wenzel

Landeck, Pians –Die Pläne zum Bau des Sannakraftwerks sind nicht neu. Der Land­ecker Heimatforscher Georg Zobl hat Dokumente zu den Anfängen der Wasserkraft im Tiroler Oberland gesichtet.

„Die Wiener Elin AG plant­e 1929 ein Kraftwerk an der Sanna. Die Wasserfassung war bei Pians vorgesehen. Ein Hangkanal sollte das Wasser zu den Turbinen nach Land­eck-Bruggen bringen. Mit einer Höchstwassermeng­e von 24 Kubikmetern pro Sekunde wäre eine Leistung von 8500 Kilowatt zu erzielen gewesen.“ Die Landecker Gemeinde­räte haben das Projekt befürworte­t.

Zur wasserrechtlichen Verhandlung ist ein Forderungskatalog mit sechs Punkten erhalten geblieben. Darin heißt es: Mit dem Kraftwerk müss­e die Stromversorgung der Stadtgemeinde „für immerwährende Zeiten zu einem noch festzusetzenden Vorzugspreis garantiert werden“. Strom werde nur an solche Industrien abgegeben, deren Betrieb sich nicht irgendwie nachteilig auf die Gesundheit und Kulturen auswirke. Der Strom solle in erster Linie für den Bedarf des Bezirkes und seiner unschädlichen Industrien verwendet werden. Ein Stromexport außerhalb des Landes sei auszuschließen. Und: „Die Wasserzuleitung soll in einem geschlossenen Kanal oder in einer Rohr­leitung geführt werden.“

Obwohl der Aufwand an behördlichen Vorleistungen vergleichsweise gering gewesen wäre, ist das Kraftwerk wegen der Weltwirtschaftskrise nie gebaut worden. Die Stadtgemeinde Landeck war in diesen Jahren schwer verschuldet.

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Zobl berichtet auch über abenteuerliche Pläne um das Jahr 1930 im Kaunertal. Zur Erzeugung von Spitzenstrom sollten damals gleich zwei Stauseen gebaut werden, einer im heutigen Siedlungsgebiet Feichten. Von der Aussiedlung wären 350 Bewohner betroffen gewesen. Die Kraftwerksbetreiber hatten bei St. Johann in Tirol und Erpfen­dorf (Tiroler Unterland) bereits Ersatzgrundstücke für die Kaunertaler gekauft.

Ob die aktuellen Pläne des Projektentwicklers Infra für das Sannakraftwerk umgesetzt werden können, ist derzeit noch nicht entschieden. Die Anrainergemeinden haben zwar einen Kooperationsvertrag unterschrieben, aber noch nicht den Vertrag zur Beteiligung als Gesellschafter.

Zum aktuellen Stand des Vorhabens verriet Infra-Geschäftsführer Gerhard Lange­r: „Kürzlich haben wir den Ausschreibungsprozess zur Beteiligung von Energieversorgungsunternehmen (EVU) gestartet. Dazu werden österreichische EVU eingeladen, ihr Interesse zu bekunden. Das Verfahren soll Mitte 2014 abgeschlossen sein, das heißt, dass dann der Einstieg der EVU vorgesehen ist.“

Wie berichtet, lädt die TT am Mittwoch, 5. März, Beginn um 20 Uhr, zur Podiumsdiskussion unter der Leitung von Chefredakteur Alois Vahrner. Die Bevölkerung ist wie immer herzlich eingeladen, mitzudiskutieren und Fragen beim TT-Forum zu stellen.


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