Haiders Erbe: Die Krot schlucken die Steuerzahler

Das österreichische Fußball-Nationalteam küsst morgen ein verwunschenes Stadion mit 32.000 Sitzplätzen wieder einmal wach.

Von Hubert Winklbauer

Klagenfurt –Es war einmal. Und zwar in Kärnten. Dort nahmen sich einige Politiker die Freiheit, ganz fest an die wundersame Geldvermehrung zu glauben. Dazu brauchte es Banken, in denen die richtigen Spezln saßen. Es brauchte von Omnipotenzgefühlen dirigierte Visionen, dazu rundum – wenn notwendig – viel Beifall, wenn moralische Standards grob verletzt worden waren.

Und dann noch eine ungehemmte Gier. Die nach Geld und nach Anerkennung. Und daneben noch eine ganz große Wurschtigkeit und die Gewissheit, dass sich immer irgendwer findet, der auslöffeln muss, was man jemandem eingebrockt hat. Wobei wir schon dort gelandet sind, wo sich morgen so an die geschätzte 25.000 Fans das Länderspiel gegen Uruguay anschauen werden – beim Wörtherseestadion.

Das ist ein Schmuckstück von einer Sportstätte. Eines, das mit 44 Millionen Euro veranschlagt war, um am Ende 92 Millionen Euro zu kosten.

Es ist so teuer wie verwunschen. Es darf sich nur ganz selten in seiner ganzen Blüt­e zeigen. Es existiert. Aber mit seinen 32.000 Sitzplätzen zur Bedeutungslosigkeit verdammt, wenn nicht hin und wieder das Nationalteam in Kärnten seine Zelte aufschlagen würde.

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Wie ihm das Stadion denn gefalle, wurde Teamchef Marce­l Koller gestern gefragt. „Schön wär’s, wenn es jede Woche oder zumindest jede zweite Woche voll von Atmosphäre und Zuschauern wäre“, hat er geantwortet.

Am 30. Juni 2007 gab man bekannt, dass das Wörtherseestadion für die nächsten zehn Jahre den Namen Hypo Group Arena tragen wird. Im Zuge der massiven finanziellen Probleme des Bankenkonzerns im Rahmen der Finanzkrise 2009 wurde der Name 2010 wieder in Wörtherseestadion geändert. Dass die FPÖ auf ein Jörg-Haider-Gedächtnisstadion aus war, versteht sich von selbst.

Wie kommt der Wörthersee dazu? Hypo Group Arena oder Haider-Gedächtnisstadion hätten besser gepasst. Als Synonyme für Verschwendung, für Größenwahn.

Freilich wird im Stadion auch dann gekickt, wenn das ÖFB-Team 363 Tage im Jahr woanders ist.

Die Austria Klagenfurt spielt dort. Das ist eine Regionalligatruppe, das ist der Nachfolgeklub des FC Kärnten, der einst sogar den ÖFB-Cup gewonnen hatte, im UEFA-Cup mitmachen durfte und in die höchste Spielklasse aufgestiegen war. Das geschah alle­s, bevor er 2010 in Konkurs gegangen war, nachdem sich dort jeder, der nur in die Nähe irgendeiner Kassa gekommen ist, bereichert hatte. Ob’s damit zu tun hat, dass der Vorstan­d mit zahlreichen Personen aus Haiders politischem Umfeld besetzt worden war?

Wie gesagt – das war einmal. Und im Jetzt kostet dieser Beton gewordene Größenwahn die Landeshauptstadt 800.000 Euro pro Jahr.


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