Beim Apnoetauchen siegt, wer sich weniger bewegt

Tauchen ohne Luftholen – für Normalbürger ein Experiment, für Geeichte ein Ausloten der Leistungsgrenze. Zuletzt erlebt: in Innsbruck.

Von Manuel Lutz

Innsbruck –Ein letzter Atemzug, schon geht es unter die Wasseroberfläche. Minuten verstreichen, für den Athleten kein Problem. Irgendwie scheint die Luft nicht knapp zu werden, für die Handvoll Zuschauer beim ASKÖ Tyrolean Apnea Cup der Freitaucher am Universitäts-Sportinstitut Innsbruck ein Mysterium. Beim Apnoetauchen, ein aus dem Griechischen tradierter Begriff für Tauchen ohne Luftholen, beginnt der Vorgang schon im Trockenen: Mit Atemübungen wird so viel Sauerstoff wie möglich in die Lunge gepresst, das Zwerchfell wird dabei mit Dehnübungen trainiert. Das erfordert Selbstdisziplin, Hypnose und Yoga sind deshalb sehr beliebt.

Einem Risiko würde man sich beim Tauchvorgang nicht aussetzen, wie Andreas Kraxner vom Tiroler-Freitauch-Verein Alpnoe.org erklärt: „Wir legen viel Wert auf Sicherheit, die Teilnehmer werden immer von Tauchern der Wasserrettung begleitet.“ Gefährlich werde es erst, wenn die Sportler Luft durch Hyperventilation aufnehmen würden. Das könnte aufgrund der abnehmenden Kohlendioxid-Konzentration zu einem Blackout, einem Bewusstseinsverlust führen. Den 28 Teilnehmern aus sechs Nationen beim Apnea Cup war das bewusst, in keiner der beiden Disziplinen (Zeittauchen und Streckentauchen) musste Organisator Wolfgang Hagleitner bange sein: „Ein Ablauf wie am Schnürchen.“ Auf 30 Teilnehmer habe man die Teilnehmerzahl beim Wettkampf in Innsbruck beschränkt, ergänzt Manfred Klotz, Obmannstellvertreter von Alpnoe.org. Der Zulauf sei groß, das mediale Interesse steige: „Bei einer Folge der Serie ‚Bergdoktor‘ wurden wir gefragt, ob wir uns zur Verfügung stellen.“

Dass die Zuschauerränge beim Apnoe-Cup kaum gefüllt seien, würde für Klotz keinen Beinbruch darstellen: „Für einen Laien ist Statik irrsinnig fad, das kann man wohl mit Schach vergleichen.“ Organisationschef Hagleitner weiß jedoch um den Reiz: „Da man in der Natur ohne Hilfsmittel in die Unterwasserwelt abtaucht, stört man die Lebewesen nicht. Der Effekt ist unglaublich.“ Auch der Weg zum Erfolg unterscheide sich von anderen Sportarten: „Je geringer die Anstrengung, umso besser die Statik.“ Ein „Herumliegen“ auf höchstem Niveau. Und wer das am besten beherrscht, gewinnt.


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