Grüne: Verwaltung der Schülerdaten durch „vertrauenswürdige“ Stelle

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser fordert tief greifende Änderungen beim Bifie. Er plädiert unter anderem dafür, dass entsprechend internationalen Beispielen die vom Bifie erhobenen Daten zentral extern von einer „Trusted Third Party“, etwa der Statistik Austria, verwaltet werden.

Wien – Grünen-Bildungssprecher Harald Walser fordert tief greifende Änderungen beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), u.a. zuständig für Zentralmatura und Bildungsstudien wie PISA: Das Bifie müsse entpolitisiert werden, Schülerdaten sollen künftig zentral durch eine „vertrauenswürdige Einrichtung“ verwaltet werden und das Unterrichtsministerium soll selbst die Zentralmatura übernehmen.

Diese drei Punkte müssten in den kommenden Monaten umgesetzt werden, so Walser am Montag bei einer Pressekonferenz. Von einer von manchen geforderten Abschaffung des Bifie hält er hingegen nichts. Seine Forderungen begründet Walser mit einer Reihe von Problemen beim Bifie in den vergangenen Jahren: Neben dem jüngsten angeblichen Datenleck bei Schülertests nannte er Rechnungshof-Kritik wegen mangelnder Kontrolle und Ineffizienz, politisch motivierte Nicht-Veröffentlichung von Studien, Vetternwirtschaft sowie eine „problematische, nicht sehr sorgfältige Vorbereitung“ der Zentralmatura, deren Start schließlich um ein Jahr verschoben wurde.

Walser plädiert dafür, dass entsprechend internationalen Beispielen die vom Bifie erhobenen Daten zentral extern von einer „Trusted Third Party“, etwa der Statistik Austria, verwaltet werden. Vorstellbar sei auch ein eigenes Forschungsdatenzentrum wie in Deutschland, bei dem sich die einzelnen Forschungseinrichtungen bedienen können. Dies würde laut Walser auch einen echten wissenschaftlichen Diskurs in der Bildungsforschung ermöglichen, derzeit seien die vom Bifie gesammelten Daten „monopolisiert“.

Die Zentralmatura sieht Walser als „hoheitliche Aufgabe“, die Durchführung müsse dementsprechend das Unterrichtsministerium anstelle des Bifie übernehmen. Alle anderen Aufgaben (Bildungsstandards, internationale Bildungsstudien, Bildungsforschung und Aufarbeitung der Daten) will der Grünen-Bildungssprecher beim Bifie belassen.

Walser plädiert außerdem für eine Entpolitisierung des Bifie auf allen Ebenen: Anstelle von zwei Direktoren - wobei einer der SPÖ und einer der ÖVP zugerechnet werden könne - will er künftig nur noch einen Leiter, der nach Ausschreibung und öffentlichem Hearing bestellt werden soll. Im Aufsichtsrat sollen nicht mehr Sozialpartner sitzen, sondern „fachkompetente“ Mitglieder von Unis und Forschungseinrichtungen, „die ihr Know-how einbringen können“. Und auch bei der Bestellung der Mitarbeiter müsse es - wie bereits vom Rechnungshof moniert - ein objektives Aufnahmeverfahren geben. (APA)


Kommentieren


Schlagworte