Gallzein bangt um größte Firma

Der wichtigste Kommunalsteuerzahler in der Berggemeinde denkt über Abwanderung nach, weil die schlechte Internetverbindung immense Wettbewerbsnachteile bedeutet. Der Dorfchef setzt sich für Verbesserungen ein.

Von Angela Dähling

Gallzein –Ein Festnetzanschluss war für Häuslbauer in Gallzein bis vor wenigen Jahren noch eine Errungenschaft. „Wer neu gebaut hatte, musste darauf warten, bis jemand anderer im Ort sein Festnetz abmeldete, weil die alte Leitung nicht ausgeweitet werden konnte“, erzählt Bürgermeister Josef Brunner. Bis 2010 gab es in vielen Teilen Gallzeins auch keinen Handyempfang – auch das Gemeindeamt war betroffen. „Als es im Winter zu einem Stromausfall kam, war die Feuerwehr nicht mehr telefonisch erreichbar“, erinnert sich der Dorfchef. Nach politischem Druck löste schließlich ein Handymast dieses Problem. Jetzt ist ein neues da: die schlechte Internetverbindung.

Bis vor einem Jahr lag die Datenrate beim mobilen Internet unter einem Mbit/Sekunde. Durch den Ausbau der mobilen LTE-Versorgung sind es inzwischen 1,8 Mbit/Sekunde. Weitaus zu wenig für den einzigen Großbetrieb in der Berggemeinde – die Firma Gallzeiner, die als Spezialist für Luft-, Staub- und Abgastechnik die 14 führenden Tiroler Industriebetriebe wie Swarovski, GE Jenbacher, Sandoz, Plansee, Darbo und Adler Lacke beliefert. Sie braucht eine Übertragungsleistung von mindestens 15 bis 20 Mbit/Sekunde.

Das Unternehmen, das mit 26 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 7 Mio. Euro erwirtschaftet, sieht sich mit der bestehenden Internetverbindung einem krassen Wettbewerbsnachteil ausgesetzt. „Seit mindestens zwei Jahren sollen wir mit unseren Kundenservern zusammenarbeiten und beispielsweise Pläne übertragen. Aber es funktioniert nicht“, klagt Firmenchef Hannes Hauser. „Wir improvisieren, indem wir mitunter per USB-Stick Daten von woanders übertragen.“ Videokonferenzen seien unmöglich. Bei der Lieferantenbewertung von GE-Jenbacher habe Gallzeiner um einen Punkt die A-Bewertung verfehlt, trotz Höchstnote bei Liefertermintreue. „Weil wir mit den Servern nicht kommunizieren können, erhielten wir bei der Firmenintegrationsbewertung null von vier Punkten“, sieht sich Hauser hier nun als Lieferant zweiter Klasse. Er gibt offen zu, im Vorjahr schon nach einem neuen Firmenstandort Ausschau gehalten zu haben. Denn 200 Meter Luftlinie vom bestehenden Firmensitz Richtung Tal entfernt gebe es diese Probleme nicht.

Bürgermeister Brunner hat sich ob dieser Ungerechtigkeit an NR Hermann Gahr gewandt. Auch Gespräche mit dem Land Tirol und der Telekom laufen. Der nächste Glasfaseranschluss ist in Buch. „Die Kabelverlegung weiter bis Gallzein ist für uns nicht zu finanzieren“, sagt Brunner, dessen Gemeindebudget von 1 Mio. Euro zur Gänze verplant ist. Während das Land Tirol die Errichtung künftig mit mehr als 40 Prozent fördern will, hinkt der Bund nach. Das kritisiert auch NR Hermann Gahr: „Die Versteigerung der digitalen Rundfunkfrequenzen hat mehr als zwei Mrd. Euro gebracht. Ein Teil davon muss zweckgebunden in den Ausbau der Breitbandversorgung fließen.“


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