Parteivorstand einig: Mayr soll Tiroler SPÖ aus Krise führen

SPÖ-Parteivorstand schlägt Roppener Bürgermeister Ingo Mayr als neuen Parteichef vor. Am Parteitag könnte es aber Gegenkandidaten geben.

Der Tiroler SPÖ-Obmann Ingo Mayr.
© Thomas Böhm / TT

Von Anita Heubacher und Peter Nindler

Innsbruck – Für Gerhard Reheis lief am Montag alles wie am Schnürchen: Er wird am Parteitag am 28. Juni nicht für das Amt des Parteichefs kandidieren, bleibt aber bis zum Ende der Legislaturperiode Klubobmann im Landtag. Sein langjähriger (Partei-)Freund Ingo Mayr (48) wurde „nach vielen wohlwollenden Wortmeldungen“ (Reheis) als Kandidat des Parteivorstands für das Amt des neuen Parteichefs vorgeschlagen. Und letztlich demonstrierten Frauenvorsitzende NR Gisela Wurm, Innsbrucks Stadtparteichefin LA Gabi Schiessling, SP-Gewerkschaftschef Günter Mayr, Jugend-Vorsitzender Luca Tschiderer und Parteigeschäftsführer LA Georg Dornauer nach der Vorstandssitzung Geschlossenheit. Denn die personelle Erneuerung findet statt: vor allem an der Parteispitze.

Mayr gehört der Reformgruppe in der SPÖ an, die sich in den vergangenen Wochen mit einer Erneuerung der Partei auseinandergesetzt hat. Dass er selbst an die Spitze gehievt werden soll, dürfte zuletzt intensiv vorbereitet worden sein. Reheis betonte, „dass seine Entscheidung nicht spontan gefallen ist“, sondern gereift sei. Die Landtagswahlen 2013 gingen verloren, „und es war klar, dass ich 2018 nicht mehr SPÖ-Spitzenkandidat sein werde“, begründete er seinen Teilrückzug. Der neue Parteichef habe jetzt die Chance, sich zu profilieren „und mit einem großen Team in die nächste Landtagswahl zu gehen“. Dass er auch als Klubobmann abdankt und den Weg für eine umfassende Erneuerung freimacht, ist für Reheis kein Thema gewesen.

Schon seit Wochen führte Reheis mit Mayr Gespräche und holte sich dafür den Segen der maßgeblichen Entscheidungsträger. Geschäftsführer Dornauer, er sprach am Montag auch für den Bezirk Innsbruck-Land, dürfte dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Dass Mayr keine Funktion in der Landespolitik hat, wird mit Verweis auf die anderen Parteien nicht als Nachteil gesehen. „Wichtig ist, dass Partei- und Klubchef gut zusammenarbeiten“, sagte Dornauer.

Bis 14 Tage vor dem Parteitag können sich weitere Funktionäre um die Parteispitze bewerben. „Aber er wird schon gute Argumente benötigen, um den Kandidaten des Parteivorstands zu überholen“, fügte Reheis hinzu. Der Kaltenbacher Bürgermeister und Bezirksobmann von Schwaz, Klaus Gasteiger, liebäugelt offen mit einem Antreten. „Ich muss mich aber zuerst mit meinen Gremien besprechen“, sagte er zur TT. Vor allem im Unterland und in Innsbruck ortet Gasteiger große Unzufriedenheit mit der SPÖ-Führung. Das sieht Reheis allerdings nicht so. „Es gab im Parteivorstand aus allen Bezirken Zustimmung.“ Vielmehr könne Mayr eine ihm wohlgesinnte und positive Stimmung in den Parteitag mitnehmen.

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Trotzdem waren kritische Stimmen in der Vorstandssitzung nicht zu überhören: Die Lienzer Bürgermeisterin LA Elisabeth Blanik, BR Hans-Peter Bock oder NR Max Unterrainer warnten vor einer voreiligen Nominierung des Roppener Bürgermeisters. Die gestern aufmarschierte Parteiführung – Mayr wurde erst auf Journalistenfragen zur Pressekonferenz geholt – bezeichnet ihn hingegen als wichtiges Signal an die Arbeitnehmerl. Vor allem Gabi Schiessling hielt ein eindringliches Plädoyer für eine Rückbesinnung auf diese Kernwählerschicht und die traditionellen Werte der SPÖ. So ist auch für Gewerkschafter Günter Mayr sein Namensvetter die ideale Wahl für den Parteivorsitz, „der auch in den Bezirken wieder für einen Aufschwung sorgen kann“.

Der designierte Obmannkandidat wird in den nächsten Wochen das Gespräch mit allen Gruppen in der Partei, von der Jugend bis zu den Pensionisten, suchen und auch in den Bezirken um Unterstützung für den Parteitag werben.

Mayr rechnet mit einem Konkurrenten

Der Roppener Bürgermeister Ingo Mayr gilt als charismatisch. Als Bassgitarrist in seiner Band Stars & Stripes rockt er bei Benefizveranstaltungen die Bühne. Die mediale betrat er gestern Abend erst auf Drängen der anwesenden Journalisten in der Parteizentrale.

Er nehme die Empfehlung des Landesparteivorstandes wohlwollend zur Kenntnis, erklärte Mayr. Beim Parteitag am 28. Juni rechnet er mit einem Gegenkandidaten. „Ich wünsche mir das auch.“ Ob Mayr, falls er gewählt wird, auch Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2018 sein wird, ließ er offen. „Das entscheiden die Gremien.“ Mayr ortet jedenfalls ein „großes Verbesserungspotenzial“, sowohl in der Tiroler Politik als auch in der SPÖ. Die „Kommunikation nach innen und nach außen“ müsse verbessert werden. Die SPÖ müsse zusammen mit der Gewerkschaft „die Stimme der Arbeitnehmer in Tirol“ werden.

Mayr bekäme für die Führung der Partei keine Gage. „Es geht nicht nur um Funktionen, sondern auch darum, für seine Ideale zu kämpfen.“ Wie er denn seine Kandidatur den Bezirken schmackhaft machen wolle, wurde Mayr gefragt. „Es geht nicht ums Schmackhaftmachen. Sollte die Mehrheit mich wählen, gehe ich davon aus, dass ich auch die Bezirke hinter mir habe.“ Vor allem im Unterland ist die SPÖ nach wie vor nicht zur Ruhe gekommen. Es wird also eine Charmeoffensive Mayrs brauchen, um die verärgerten Funktionäre wieder ins Boot zu holen.

Mayr wurde am 27. Juni 1965 geboren und ist seit 2004 Bürgermeister von Roppen im Bezirk Imst, dem Heimatbezirk von Gerhard Reheis. Ingo Mayr habe Roppen von Schwarz auf Rot umgedreht, hieß es gestern aus Parteikreisen. Er ist sowohl in der SPÖ-Bezirksorganisation Imst als auch in der Gewerkschaftsbewegung fest verankert. Mit ihm würde nach vielen Jahren wieder ein Gewerkschafter das Führungsruder der SPÖ Tirol übernehmen. In seinem „Zivilberuf“ ist Mayr Angestellter beim AMS Tirol und dort seit 2006 Betriebsratsvorsitzender. Nach der Matura am Bundesrealgymnasium Imst arbeitete er zunächst in der Jugendberatung des AMS Imst, bevor er als Betriebsratsvorsitzender ins AMS Tirol wechselte. (TT, APA)


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