Regierung hofft auf Deeskalation, Klug fährt nicht zu Paralympics

Am Freitag sollen im russischen Sotschi die Paralympics eröffnet werden. Angesichts der russischen Militärintervention auf der Krim regnet es jedoch Absagen internationaler Politiker. Auch Österreichs Sportminister Gerald Klug (SPÖ) hat seine Teilnahme abgesagt.

Finanzminister Michael Spindelegger (l.) und Kanzler Werner Faymann haben die Sondersitzung zur Hypo einberufen.
© APA

Wien, Sotschi - Für die österreichische Bundesregierung steht im Konflikt der Ukraine mit Russland die Deeskalation im Mittelpunkt. Diese solle „mit allen uns gebotenen Möglichkeiten und Anstrengungen“ herbeigeführt werden, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Dienstag nach dem Ministerrat. Falls dies nicht funktioniere, müsse man beim EU-Sondergipfel am Donnerstag weitere Konsequenzen diskutieren.

Es stehe die große Sorge um die weitere Entwicklung in der Ukraine im Vordergrund, sagte der Kanzler. Man wolle eine friedliche Lösung unter Einhaltung der Prinzipien des Völkerrechts. Faymann verwies auf die EU-Position, die eine klare Verurteilung der Verletzung der ukrainischen Souveränität und territorialen Integrität vornehme. Einen Ministerratsbeschluss dazu gab es am Dienstag nicht.

Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger fühlte sich an Zeiten des Kalten Kriegs erinnert und betonte, dass Österreich gegen militärisch aggressive Drohgebärden auftrete. Auch er forderte Deeskalation. Andernfalls müsse man über entsprechende Schritte gegenüber Russland verhandeln. Auch die ukrainische Führung müsse Zeichen setzen, etwa was die russische Minderheit betrifft.

Klug fährt nicht nach Sotschi

Verteidigungs- und Sportminister Gerald Klug (SPÖ) fährt nicht zu den Paralympics nach Sotschi. Das gab Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Dienstag nach dem Ministerrat bekannt. „Ich halte das für richtig“, so Faymann im Pressefoyer. Der Minister habe ihn darüber informiert, dass er vorhabe, „nicht hinzufahren“. Der Bundeskanzler begrüßt diese Entscheidung.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Die Frage, ob er enttäuscht sei, da er bei den Olympischen Spielen selbst in Sotschi weilte, verneinte Faymann: „Ich bin enttäuscht von der Vorgangweise Russlands in der Ukraine.“ Zum damaligen Zeitpunkt habe jedoch eine andere Situation bestanden. Im Nachhinein dürfe man dies nun „nicht vermischen“.

Minister Klug begründete seinen Sotschi-Verzicht wie folgt: „In dieser heiklen Phase geht es darum keine Zeichen zu setzen, die als Legitimation der russischen Vorgehensweise gedeutet werden können.“

Paralympics-Komitee blickt mit Sorge auf Krim-Konflikt

Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) blickt mit Sorge auf den Konflikt zwischen Paralympics-Gastgeber Russland und der Ukraine. „Wir beobachten die Situation genau und die Sicherheit und das Wohlbefinden der Athleten und Offiziellen haben für uns oberste Priorität“, sagte IPC-Präsident Philip Craven am Dienstag bei seiner Ankunft in Sotschi.

In der russischen Stadt werden am Freitag die Winter-Paralympics eröffnet. Craven erwartet von den Paralympics ein Umdenken in Russland in Bezug auf den Umgang mit behinderten Menschen. „Die Paralympics können Barrieren und Klischees beseitigen wie kein anderes Event und ich glaube, diese Spiele werden umgestalterisch für Russland sein“, sagte der frühere Rollstuhl-Basketballer.

Bis zum Dienstagvormittag waren 39 der 45 teilnehmenden Nationen in Sotschi eingetroffen, darunter nach dreistündigem Flug auch das 13-köpfige österreichische Team. Am Mittwoch wird das Österreich-Haus in Krasnaja Poljana eröffnet. Die Temperaturen erinnern derzeit eher an Sommerspiele: Bei der Ankunft der Österreicher hatte es 19 Grad. (APA, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte