Eskalation auf der Krim kann Austro-Wirtschaft belasten

Ausufernde Gewalt zwischen Russland und der Ukraine könnte für Austro-Firmen Folgen haben. Kiew ist für sie schon länger ein schwieriges Pflaster.

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Innsbruck, Kiew, Moskau – Die Kriegsängste um die Ukraine und Russland lassen auch Wirtschaft und Börsen zittern. Noch lässt sich schwer abschätzen, inwieweit die heimischen Betriebe von einer Eskalation tangiert würden. Dabei ist es weniger die Ukraine als vielmehr Russland, das für Österreich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Handelspartner aufgestiegen ist. So ist Russland mit einem Exportvolumen von 3,2 Mrd. Euro der zehntwichtigste Markt für die heimische Wirtschaft (Zahlen 2012). Im Ranking der Tiroler Exportnationen liegt Russland sogar auf dem sechsten Rang. 2,3 % der Tiroler Ausfuhren (254 Mio. Euro) entfallen auf Russland.

Dem gegenübergestellt ist die Ukraine ein kleiner Fisch: Bundesweit rangiert das Land an 27. Stelle. Aus Tirols exportierenden Betrieben gehen gerade 0,3 % in die Ukraine (32,7 Mio. Euro). Österreich liefert vor allem Pharmaprodukte, Maschinen, Saatgut, Eisen und Stahl in die Ukraine. Im Vorjahr gab es hier ein kleines Plus.

Die stark im Osten engagierten Austro-Banken haben in den vergangenen Jahren der Ukraine immer mehr den Rücken gekehrt. Der Anteil der Ukraine macht aktuell noch etwa 3 % des gesamten Osteuropa-Engagements aus. Vor der Krise waren es noch gut 4 %. Allerdings sind Banken aus Österreich gemeinsam mit jenen aus Italien und Frankreich unter den westeuropäischen Ländern nach wie vor am stärksten in Kiew engagiert. Das geht aus einer Analyse von Raiffeisen Research hervor. Die Erste Bank hat sich im Vorjahr bereits aus dem Krisenland zurückgezogen. Auch Bank Austria und Raiffeisen Bank International (RBI) wälzen schon länger Rückzugspläne, die aber aufgrund der momentanen Situation auf Eis liegen.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und der Ukraine sind generell stagnierend bis rückläufig. Im vergangenen Jahr sind die österreichischen Investitionen laut Wirtschaftskammer von 2,47 auf 2,37 Mrd. Euro zurückgegangen. Laut dem Wirtschaftsdelegierten in Kiew, Hermann Ortner, gab es 2013 null Investitionen aus Österreich. Probleme vor allem beim Zoll und in der Verwaltung machen den Firmen zu schaffen.

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Die ukrainische Wirtschaft ist nach den Wachstumsjahren 2010 und 2011 bereits im Jahr 2012 kräftig eingebrochen. 2012 wuchs sie nur noch um 0,2 %. 2013 dürfte die Wirtschaft sogar um 1 % geschrumpft sein. Vor allem industrielle Produktion, Bauwirtschaft und der Transportsektor waren von erheblichen Einbußen betroffen. Ein Minus gab es auch bei den Exporten.

Und Russland? Die jüngste Abwertung des Rubel sieht die heimische Wirtschaft mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Da fast alle Geschäfte in Euro oder Dollar fakturiert werden, hätten die Betriebe mit bereits abgeschlossenen Geschäften keine Probleme, erklärt Gregor Leitner, Außenwirtschaftschef der Wirtschaftskammer Tirol. Allerdings werden künftige Geschäfte für die Russen teurer – sie müssen mehr Rubel aufwenden, um Produkte einzuführen. Dadurch wird es für die heimischen Betriebe schwieriger werden, Aufträge zu bekommen. (wer)


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