Wiener Festwochen: Protest gegen Inszenierung von „Die Neger“

Via Facebook wurde eine Petition veröffentlicht, welche die Absetzung des Stückes von Jean Genets fordert.

Wien - Im Internet regt sich Protest gegen die Aufführung von Jean Genets Unterdrückten-Satire „Die Neger“ bei den Wiener Festwochen. Via Facebook wurde eine Petition veröffentlicht, welche die Absetzung des Stückes fordert. Die Premiere der Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg ist für 3. Juni im Theater Akzent angesetzt.

Genets 1958 uraufgeführte „Clownerie“ setzt die Hautfarbe als allgemeines Kainsmal aller Außenseiter, geschrieben zu Zeiten der antikolonialen Befreiungskämpfe. „Neger“ sind beim großen Revoluzzer Genet die Unterdrückten jedweder Couleur. In der Interpretation von Johan Simons sollen laut Stückbeschreibung „einige Schauspieler mit beißendem Spott das rassistische Klischee vom ‚Neger‘, der eine weiße Frau sexuell missbraucht und sie dann tötet“ desavouieren. „Die Verwandlung der weißen Schauspieler wird nicht in der Maske, sondern auf der Bühne stattfinden, sie soll etwas Gewalttätiges, etwas Schmerzhaftes haben. Die äußere Farbe soll eine innere Revolte spiegeln“, so Simons.

Der Initiator der Petition „Schwarze Menschen in Europa gegen Aufführung des Theaterstücks „Die N****“ von Johan Simons“ ( http://go.apa.at/7EP0JIRb ), der Wiener Verein Pamoja, sieht das anders. „Die Wiener Festwochen geben vor, ein internationales, interkulturelles Festival zu sein. Mit der Aufführung dieses Theaterstücks stehen sie diesem Anspruch allerdings zentral entgegen. Weder wird hiermit aufgeklärt, noch zu kritischem Denken angeregt“, heißt es im Text, der von 19 europäischen Vereinigungen unterzeichnet ist.

Dass die Schauspieler der Inszenierung ( http://go.apa.at/BbRaM6qY ) von den Festwochen mit schwarzer Schminke dargestellt werden, stelle sich in die Tradition rassistischer Darstellungstraditionen: „Mit weißen Schauspieler_innen in Blackface wird eine diskriminierende, (neo)koloniale Praxis verharmlost, die nicht nur in den USA als rassistisch gilt.“ Die Wunsch der Unterzeichner ist demnach klar: „Wir fordern hiermit auf, das N-Wort und diese rassistische Inszenierung aus dem Wiener Festwochenprogramm zu entfernen!“ (APA)

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