Weitere Bitcoin-Börse macht nach „Bankraub“ dicht

Die Negativschlagzeilen um Bitcoins reißen nicht ab. Eine weitere Website hat nach einem Hackerangriff aufgegeben. Zugleich berichtet ein großer US-Onlinehändler, der das virtuelle Geld akzeptiert, dass überraschend viele Kunden damit zahlen.

Washington - Erneut hat eine Handelsplattform für die virtuelle Währung Bitcoin ihre Tätigkeit nach einem mutmaßlichen Hacker-Angriff eingestellt. Die Firma Flexcoin mit Sitz in Kanada teilte am Dienstag (Ortszeit) mit, bei einer Attacke von Internet-Kriminellen seien ihr am Sonntag 896 Bitcoins gestohlen worden. Deren Wert entspricht nach aktuellen Wechselkursen etwa 580.000 US-Dollar (421.267 Euro).

Da Flexcoin keine Möglichkeit habe, diesen Verlust auszugleichen, „schließen wir ab sofort unsere Türen“, teilte die Firma mit. Noch vorhandene Bitcoins will Flexcoin den Besitzern zurückgegeben. Außerdem werde die Firma „versuchen, mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten, um den Ursprung dieser Hacker-Attacke zu finden“.

Die virtuelle Währung Bitcoin steckt in ihrer bisher schwersten Vertrauenskrise, seit vor etwa drei Wochen die Handelsplattform MtGox, eine der ältesten und wichtigsten ihrer Art, den Betrieb eingestellt hatte. MtGox waren nach eigenen Angaben 750.000 Bitcoins von Kunden und 100.000 eigene Exemplare abhanden gekommen. Der Gesamtwert der verschwundenen „Münzen“ belief sich auf rund 350 Millionen Euro. Auch MtGox, eine Firma mit Sitz in Japan, macht Hacker für den Angriff verantwortlich.

Japan will Bitcoin besteuern

Die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete am Mittwoch, die Regierung in Tokio plane eine Regulierung der Internet-Währung. Demnach soll Bitcoin als Handelsware definiert werden. Transaktionen mit der Währung würden somit besteuert. Außerdem sollen der Zeitung zufolge für Banken und andere Finanzdienstleister Beschränkungen für den Umgang mit Bitcoins erlassen werden.

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Bitcoins waren im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Aufsichtsbehörden weltweit warnten in den vergangenen Monaten verstärkt vor den Risiken. In mehreren Staaten, darunter Russland und China, wurde der Handel mit Bitcoins gesetzlich stark eingeschränkt.

Dabei ist die Nachfrage stärker als vermutet. Beim großen US-Onlinehändler Overstock.com können Kunden seit knapp zwei Monaten mit der digitalen Währung zahlen. Seitdem haben 4300 Kunden mit Bitcoins Waren im Wert von einer Million Dollar gekauft. „Wir hatten nicht erwartet, diese Marke so früh zu knacken“, erklärte Firmenchef Patrick Byrne am Dienstag. (APA/AFP/dpa)


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