Wenn ein Fell zur (fast) unlösbaren Aufgabe wird

Tourengehen liegt voll im Trend. Die TT hat sich mit dem jungen Alpbacher Skibergsteiger Jakob Siedler in den Steilhang gewagt.

Von Alois Moser

Alpbach –Wettkampf-Skibergsteigen ähnelt dem Tourengehen, ist irgendwie aber doch anders: Die TT wagte einen Selbstversuch, bei dem ganz schnell unerwartete Probleme auftauchten.

Beim (Ski-)Tourengehen wie beim Leistungssport Skibergsteigen stehen die Felle im Mittelpunkt. Während professionelle Skibergsteiger wie Jakob Siedler für einen Fellwechsel zehn Sekunden benötigen, stellte sich der Autor dieser Zeilen – ein absoluter Touren-Anfänger – nicht unbedingt geschickt an und schaffte es mit Müh’ und Not, die Aufstiegshilfen zu befestigen. Reine Übungssache, wie der 14-jährige Alpbacher Siedler bekundet: „Das übt man zu Hause bis zum Umfallen, im Rennen bringt das nämlich die entscheidenden Sekunden.“

Man merkt schnell: Skibergsteigen ist mehr als nur eine verschärfte Version des Tourengehens: Die Sportler laufen im unpräparierten Gelände steile Hänge hinauf, die man als Otto Normalverbraucher maximal im Sessellift bezwingen würde. Höhenmeter sammelt man jedoch nicht nur im Rennen, auch im Training: „Pro Training schaffe ich zwischen 1000 und 2000 Höhenmeter.“

Ich selbst komme indes erst einmal nicht dazu, viele Höhenmeter zu sammeln: Sobald die Qual des Auffellens hinter mir liegt, kann der Aufstieg aber dann doch beginnen: ein ungewohntes Gefühl, nicht auf zwei Brettern talwärts zu rutschen, sondern mit festem Halt den Berg zu erklimmen. Für Nationalteam-Athlet Siedler nichts Neues. Er zählt mit 14 Jahren bereits zur rot-weiß-roten Elit­e. „Ich habe vor sieben Jahren begonnen. Ursprünglich, weil mich solche Rennen fasziniert haben, und“, fügt er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu, „weil meine Eltern dachten, ich bräuchte etwas, um Energie abzubauen.“ Mit dem Nationalteam nahm Siedler kürzlich an der Europameisterschaft in Andorra teil, wo er gegen ältere Mitbewerber einen fünften und einen siebten Platz erlaufen konnte.

Im Gegensatz zu Italien und Spanien fristen die Skibergsteiger in Österreich ein Amateur-Dasein. Sponsoren finde man glücklicherweise trotzdem, denn die Ausrüstung sei teuer: „Mit allem Drum und Dran kommt man auf 2000 Euro.“ Das vorgeschriebene Mindestgewicht von 750 Gramm für Skier mit Bindung zeigt, in welche Richtung die Materialentwicklung geht.

Das doch deutlich höhere Gewicht meiner (geliehenen) Tourenskier ist mit ein Grund, warum das Aufstiegsexperiment bald im Stillstand endet und in die Abfahrt übergeht. Eine nicht ganz ungefährliche Geschichte: „Ich baue pro Rennen mindestens einen Sturz, das gehört einfach dazu.“ Auch ich hätte beinahe eine „Brezn“ hingelegt, hatte ich doch im Eifer des Gefechts vergessen, die Tourenskischuhe in der Abfahrtsposition zu fixieren.

So aber gelange ich heil ins Tal und zum Schluss: Tourengehen ist eine Alternative, professioneller Skibergsteiger werde ich keiner mehr.


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