Nicht nur Spielplan-Groupie sein

Kulturminister Josef Ostermayer richtet neun konkrete Fragen an den Rechnungshof.

Wien –Seit Anfang der Woche kann man den Endbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der den Wurzeln der Burgtheater-Finanzkrise nachspürt, auf der Homepage der Bundestheater (www.bundestheater.at) herunterladen. Antworten auf offene Fragen werden dabei aber nur bedingt geboten, etliche Passagen des 97-seitigen Berichts sind geschwärzt. „Aus datenschutzrechtlichen Gründen musste eine Anonymisierung einzelner Berichtsteile und Textpassagen vorgenommen werden, da in dem Bericht namentlich erwähnte Personen ihre Zustimmung zur Veröffentlichung nicht erteilt (haben)“, heißt es auf der Homepage.

Doch auch abgesehen davon bringt der Bericht nur zum Teil Licht ins Dunkel. Und so hat Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) nun den Rechnungshof um die Überprüfung der Geschäftsgebarung des Burgtheaters und der „damit verbundenen Aufgaben der Kontrolle durch die Bundestheater-Holding“ von 2008/9 bis 2012/13 ersucht. In einem Brief ersucht der Minister um besonderes Augenmerk zu neun Punkten. Ostermayer möchte durch eine Rechnungshof-Prüfung insbesondere beantwortet haben, ob die Bilanzerstellung, die Darstellung der Liquidität des Burgtheaters sowie die Wahrnehmung der Betriebsführung den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Geschäftsgebarung entsprochen haben. Weiters soll geklärt werden, ob Mittelentnahmen und Einzahlungen durch Einzelbelege nachvollziehbar seien, die anhand von Belegen dargestellte Lage den erbrachten Leistungen entspricht und diese aufgrund von „nachvollziehbaren Vertragsgrundlagen“ erfolgten. Zudem soll untersucht werden, ob Personalpolitik und Führungsstruktur „den Anforderungen einer gemäß den gesetzlichen Prinzipien der Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit, Sparsamkeit und Rechtmäßigkeit agierenden, vollrechtsfähigen Institution“ entsprächen und die Holding sowie das Burgtheater in der wirtschaftlichen Gebarung gemäß Bundestheaterorganisationsgesetz agiert haben.

Die Burgtheater-Bilanz der Saison 2012/13 könnte nach Angaben des Aufsichtsrats einen Verlust von 8,3 Mio. Euro ergeben. 2,7 Millionen davon werden auf Malversationen zurückgeführt. Dazu kommen weitere 5 Millionen Euro wegen möglicher Steuernachzahlungen. Wegen des Verdachts auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche und Untreue wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky bestreitet alle Vorwürfe und hat gegen ihre Entlassung Klage eingereicht.

Im Falter äußerte sich indes Frank Baumbauer, ehemaliger Intendant der Münchner Kammerspiele und Ex-Schauspielchef der Salzburger Festspiele, zur Burg-Krise. Ein Intendant dürfe „nicht nur der Groupie des Spielplans“ sein, sondern habe die Aufgabe, sich regelmäßig mit seinem kaufmännischen Direktor zusammenzusetzen und das große Ganze im Auge zu behalten. Für Baumbauer steht fest: „Es ist der Größe und auch der Tradition dieses Hauses überhaupt nicht angemessen, in so eine Situation zu kommen.“ Auch Tomas Zierhofer-Kin, der Leiter des donaufestivals, hat für die Finanzmisere kein Verständnis. „Ich finde das schamlos“, kommentierte er die undurchsichtige Gebarung der Burg. (APA, TT)

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