Der letzte Wille will gelernt sein

Sein Testament zu verfassen, liegt in Österreich nicht gerade im Trend. Dabei wäre ein solches Schriftstück für die Hinterbliebenen wichtig. Dazu muss es aber formal korrekt sein.

Jorgen Randers und Graeme Maxton schlagen unter anderem vor, Erbschaften mit bis zu 100 Prozent zu besteuern.
© Keystone

Von Markus Schramek

Innsbruck –Man fühlt sich fit, in der Blüte seines Lebens. Wer will da schon sein Testament verfassen und sich Fragen rund um den eigenen Tod stellen? Regeln, wem Haus und Hof gehören sollen, wenn man selbst einmal „nicht mehr ist“? Herr und Frau Österreicher sind Meister im Verdrängen: Nur jeder Dritte bringt seinen letzten Willen zu Papier.

Unbestritten ist es jedoch, dass schnell Umstände eintreten können, die es nötig machen, über die Aufteilung eines Vermögens zu befinden. Und in dieser für die Beteiligten ohnehin belastenden Situation ist ein Testament, so es korrekt formuliert und auch auffindbar ist (siehe Kasten), äußerst wichtig.

Oft folgt nämlich auf das Leid über den Verlust einer nahestehenden Person der Krach unter den Erben. Gibt es ein gültiges Testament, ist aber rasch klar, wem der Verstorbene, der so genannte Erblasser, wie viel zugedacht hat. Jahrelange Streitigkeiten vor Gericht, hohe Kosten und viel Ärger können auf diese Weise vermieden werden.

Beim Verfassen eines Testaments gilt es, einiges zu beachten. „Der Teufel steckt im Detail“, warnt Notar Philipp Schwarz, der Präsident der Tiroler Notariatskammer. Hier eine Auswahl besonders wichtiger Punkte.

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1Zum Notar/Anwalt oder selbst schreiben? Man kann sein Testament selbst schreiben oder von einem Juristen aufsetzen lassen. 400 bis 600 Euro betragen die Kosten für ein einfaches Testament. „Das ist im Vergleich zu den Folgen, die ein fehlerhaftes Testament in Eigenregie auslösen kann, gut investiertes Geld“, findet Schwarz.

2Pflichtteil gilt immer. Ehegatte bzw. Ehegattin und Kinder eines Testamentsverfassers haben – auch gegen dessen Willen – Anspruch auf den gesetzlichen Pflichtteil. Die Witwe eines Verstorbenen erhält 1/6 seines Vermögens, seine Kinder zusammen 1/3. Über den Rest kann der Erblasser im Testament frei verfügen. Auf den Pflichtteil können Schenkungen (Bargeld, Immobilien), die zu Lebzeiten erfolgt sind, angerechnet werden. Erblasser und Erbe müssen das aber schriftlich vereinbaren, was in der Praxis jedoch selten der Fall ist.

3Wer soll erben? Schwarz weiß von vermeintlichen Testamenten, in denen Personen mit Sparbüchern bedacht, aber nicht „als Erben eingesetzt“ werden. Der Experte: „Ohne Erbeinsetzung ist eine Verfügung nicht vollständig.“ Für Vermögens­teile, die in solchen Fällen nicht ausdrücklich gewissen Personen zugeteilt werden, gilt daher neben dem Testament die gesetzliche Erbfolge.

4Einer reicht nicht für zwei. Oft verfassen Eheleute gemeinsam ein Testament und setzen sich gegenseitig als Alleinerben ein. Aber Achtung: „Wenn nur einer der Ehegatten das Testament handschriftlich verfasst, ist das Testament für den, der es nicht selbst geschrieben hat, ungültig“, betont Schwarz. Damit der letzte Wille von Herrn und Frau Mair auch tatsächlich für beide gilt, müssen beide Eheleute das – wortgleiche – Testament niederschreiben und unterschreiben.

5Sonderfall Landwirtschaft. Dieser Punkt ist besonders für Tirols Landwirte von großer Bedeutung und dürfte nicht allseits bekannt sein. Will nämlich ein Bauer jedem seiner Kinder ein Stück Freiland übergeben, kann er das nur über ein Testament.

Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen ist eine solche Aufteilung landwirtschaftlicher Flächen zu Lebzeiten oder auch später in einem Nachlassverfahren gar nicht möglich.


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