New Yorker Verhältnisse in Innsbrucker Innenhof

Der Stadtsenat hat das umstrittene Innenhof-Projekt in Wilten durchgewinkt. Die Bürgerinitiative ist sauer, will aber weitermachen.

Von Denise Daum

Innsbruck –Im Jahr 2011 reichte die Planet Beteiligungs GmbH ein Bauprojekt mit 116 Wohnungen ein, die auf dem ehemaligen Areal der Seifenfabrik Holluschek im Innsbrucker Stadtteil Wilten entstehen sollen. Der Bauträger bedient sich dabei der Möglichkeit der Aufschüttung, um eine höhere Baudichte zu erzielen – dies sei laut Bauträger eine weltweit anerkannte Methode und unter anderem auch beim Rockefeller Center in New York zur Anwendung gekommen. Ebendiese Vorgangsweise sorgte aber bei den Anrainern, die sich zu einer Bürgerinitiative formiert haben, für Empörung und Einsprüche. Nun hat der Stadtsenat (als zweite Instanz) das Projekt durchgewinkt.

Stadtrat Gerhard Fritz, der von Anfang an seine Sympathie für die Bürgerinitiative bekundete und die Methode des Aufschüttens und Abgrabens als „Trickserei“ bezeichnet, sagt dazu: „Im Rahmen der Bauordnung ist dieses Ding legal und nicht einzudämmen.“

Gert Ettlmayr, Sprecher der Initiative, ist „sehr enttäuscht von den Politikern, die nur leere Versprechungen machen. Außerdem haben sie es versäumt, die Schlupflöcher in der Tiroler Bauordnung zu stopfen, durch die eine unglaublich hohe Baudichte erzielt werden kann.“ Bei aller Enttäuschung ist Ettlmayr aber auch zuversichtlich. Mehr als 700 Unterstützer zähl­e die Bürgerinitiative mittlerweile. „Viele Leute haben sich gemeldet, die von ähnlichen Projekten betroffen sind. Diese wollen wir unterstützen und die Initiative auf breitere Beine stellen, um Druck auf die Politik auszuüben“, gibt sich Ettlmayr kämpferisch. Und noch ist der Instanzenzug nicht ausgeschöpft. „Wir werden den Bescheid erneut beeinspruchen, da wir nach wie vor der Auffassung sind, dass diese Aufschüttung eine Umgehung des Gesetzes ist. Ich bin zuversichtlich, dass das Landesverwaltungsgericht das erkennt.“

Armin Ennemoser von der Planet Beteiligungs GmbH findet es schade, dass „die Qualität der Anlage noch immer nicht erkannt wurde“. Ob das Bauwerk rechtlich in Ordnung ist oder nicht, stand für ihn schon lange fest. „Das ist sicher eines der bestgeprüften Bauvorhaben Tirols. Irgendwann wird man einfach glauben müssen, dass es okay ist“, sagt Ennemoser. Er will in jedem Fall das Gespräch mit den Anrainern suchen und ihnen die Qualität des Wohngebäudes vor Augen führen. Mit der Bürgerinitiative habe er überhaupt kein Problem, „mich hat nur die ,Hau aufs Krokodil‘-Mentalität etwas irritiert. Und die Vorstellung des geldgierigen Bauträgers ist wohl mittlerweile überholt“, betont Ennemoser. Der erneuten Berufung sieht er gelassen entgegen.

StR Fritz wünscht der Initiative in der nächsten Instanz jedenfalls viel Glück. Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Planet GmbH kann er sich allerdings nicht verkneifen. „Wenn der Bauträger glaubt, dass ein New Yorker Bauwerk ein passender Vergleich für einen Innsbrucker Innenhof ist, soll er auch Carrie Brad­shaw zur Housewarming Party herholen.“


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