Die Stutenbissigkeit und den Zickenkrieg haben wir schon hinter uns. Oder?

Innsbruck – Zwar besuchen mehr Frauen als Männer Tirols Universitäten, bei den Lehrenden dreht sich der Spieß um. An der Stammuni sind 36 Pr...

Innsbruck –Zwar besuchen mehr Frauen als Männer Tirols Universitäten, bei den Lehrenden dreht sich der Spieß um. An der Stamm­uni sind 36 Prozent der Lehrenden weiblich, bei den Professoren sind es nur 20 Prozent. Solche und andere Ungleichheiten hat das Land in einer Broschüre (www.tirol.gv.at) zusammengefasst.

Im Büro für Gleichstellung und Gender Studies an der Uni sind Elisabeth Grabner-Niel die Zahlen leider vertraut. „In Führungspositionen gibt es einen Männerüberhang. Da muss man mit Frauen-Spendien und Förderprogrammen nachhelfen.“ Grabner-Niel ortet in der Frauenpolitik einen Backlash: oberflächliche Rhetorik auf der einen Seite, alte Strukturen auf der anderen Seite. Zwar würden junge Paare davon sprechen, dass Hausarbeit und Kinderarbeit geteilt würden, in der Praxis erledige beides die Frau. Mit anderen Worten, man redet über Gleichbehandlung, lebt sie aber nicht. „Ich orte zudem bei den Jungen eine neoliberale Tendenz: Ich werde nicht diskriminiert. Ich schaffe das. Frauenpolitik braucht es daher nicht.“

Grabner-Niel definiert „zwei Knackpunkte“ in Frauenkarrieren. „Beim Berufseinstieg sind Frauen gut unterwegs. Bei der Umsetzung gibt es Probleme.“ Nach oben werde die Luft für Frauen nach wie vor dünn. Der zweite Knackpunkt ist für Grabner-Niel die Gründung einer Familie. „Da tragen die Frauen die Hauptlast.“ Noch dazu stelle die Gesellschaft Kinder immer stärker in den Mittelpunkt, Frauen würden wieder verstärkt an die Kinder gebunden. Frauensolidarität hängt für Grabner-Niel vom Zusammenhang ab. „Wenn es um Erwerbstätige und Mütter geht, ist die Solidarität nicht zwangsweise da. Wenn es darum geht, einer Frau mit Kinderwagen in die Straßenbahn zu helfen, schon.“

Frauensolidarität in der Wirtschaft kann Unternehmerin Ingeborg Freudenthaler nur bedingt ausmachen. „Frauen warten außerdem zu lange darauf, dass sie von Männern befördert werden.“ Frauen fehle es im Vergleich zu Männern an Selbstbewusstsein. Die Unternehmerin ortet zudem ein „Mega-Problem“: die Optik. Während das Aussehen und die Kleidung bei Männern völlig unerheblich seien, sei beides bei Frauen vordergründig. Institutionalisieren würde Freudenthaler Frauensolidarität auf keinen Fall. „Eine Kopie von Männerbünden wie dem Cartellverband wäre schlecht. Solche Bünde sind nicht mehr zeitgemäß und gehören ohnehin abgeschafft“, meint sie.

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Für eine der mächtigsten Frauen in der ÖVP ist Frauensolidarität „natürlich da und wird immer stärker“. Landesrätin Beate Palfrader hält es für notwendig, Netzwerke zu verstärken. In einem ist sie sich mit Unternehmerin Freudenthaler einig: Frauen trauen sich oft zu wenig zu.

Die grüne Frauenlandesrätin Christine Baur hofft, „dass wir Zickenkrieg und Stutenbissigkeit überwunden haben. Ich kann das gar nicht mehr hören.“ An männlichen Strukturen, wie dem CV, will sie sich auch nicht orientieren. „Wir machen das auf andere Art. Von unten nach oben und nicht umgekehrt.“ (aheu)


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