Durch die schwarze Brille gesehen

Um die Ausstellung „film foto foto film“ im Innsbrucker aut genießen zu können, braucht man gute Augen und eine Taschenlampe.

Wie eine Filmrolle kommt der aus 201 Fotos zusammengesetzte Fries daher, mit dem Paul Ott einen Ausstellungsraum des aut bespielt.
© Günter R. Wett

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Sasha Pirker und Lotte Schreiber sind Filmemacherinnen, Günter Richard Wett und Paul Ott Fotografen. Und somit Vertreter von Künsten, in denen das Licht eine zentrale Rolle spielt. Auch in ihrer gemeinsamen Ausstellung im Innsbrucker aut, das sie komplett schwarz ausgemalt, von einem White Cube in eine Black Box verwandelt haben. Was die Wahrnehmung der Räume ebenso wie des Außen­raums total verwandelt, noch dazu, da die Schau ohne künstliches Licht auskommt. Weshalb der Ausstellungsbesucher je nach Tageszeit bzw. Wetter sowie dem Zustand seiner Augen mehr oder weniger bzw. im untersten Ausstellungsraum nur mithilfe einer Taschenlampe – die jeder aut-Besucher in die Hand gedrückt bekommt – überhaupt etwas sieht. Was trotzdem erstaunlich viel ist.

Gleichbleibend ist in allen Räumen dagegen der Ton, mit dem die Schau beschallt wird. Mit einem von Lotte Schreiber und Sasha Pirker verfassten Text, in dem es ganz pragmatisch um das aut geht. Seine Bespielbarkeit, seine Ausmaße, seine Atmosphäre. In einem der Ausstellungsräume kombiniert mit groß projizierten Bildern des aut, die die beiden Filmemacherinnen noch vor dessen Metamorphose in ein­e Black Box gemacht haben: von den Räumen, architektonischen Details bzw. Blicken in die nähere und weitere Umgebung. Absurderweise korrespondiert das zu Sehend­e oft mit dem zu Hörenden überhaupt nicht. Wenn etwa ein lichtdurchfluteter Blick auf ein­e Hauswand mit dem Sager kombiniert ist, dass „dieser Raum nicht verdunkelbar ist“.

Der Tiroler Fotograf Günter Richard Wett macht den obersten aut-Raum zum Kino. Möbliert mit alten Kinosesseln, die so positioniert sind, dass der „reale Film, der sich im Außenraum abspielt“ (Wett) zu sehen ist. Zum Mitnehmen gemacht ist dagegen ein winziges gedrucktes „Daumenkino“, in dem der Fotograf die Transformation des Raums während seiner weiß-schwarzen Verwandlung dokumentiert.

Wer bereit ist, seine Sinne zu schärfen, kommt weitestgehend ohne Taschenlamp­e in dem diffus von außen beleuchteten Raum aus, den Paul Ott bespielt. Mit einem wie eine Filmrolle zelebrierten Fries, der 201 kleine quadratische Schwarzweiß-Fotos von frontal aufgenommenen Heuhütten aus dem Ennstal aneinanderreiht. Jede ist anders und letztlich sind sie doch gleich. Alle sind alt, werden kaum mehr benützt, sind dem Zerfallen preisgegeben.

Wer will, kann seine Wahrnehmung ausgiebig zwischen Samstag, 24. Mai, 11 Uhr, und Sonntag 25. Mai, 11 Uhr, überprüfen, wo die Schau durchgehend geöffnet ist. Gekocht wird ab 17 Uhr übrigens in einer black kitchen.


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