„Weibliches Filmschaffen ist unterrepräsentiert“

Seit 2005 widmet sich die Filmreihe „kinovi[sie]on“ dem weiblichen Filmschaffen. Den Frauentag feiert sie mit zwei Österreich-Premieren.

Innsbruck –Jenen Entscheidungsträgern in Hollywood, „die nach wie vor davon überzeugt sind, dass Filme von oder über Frauen ein Nischen-Produkt sind“, hielt Cate Blanchett vor wenigen Tagen ihren Oscar als Beste Hauptdarstellerin entgegen. „Mit solchen Filmen lässt sich Geld verdienen“, sagte Blanchett in ihrer Dankesrede und legte nach: „Die Zeiten haben sich geändert, Leute!“

Haben sie wirklich? Aktuelle Erhebungen der amerikanischen Filmwissenschafterin Martha M. Lauzen zeichnen ein ernüchterndes Bild: Die Zahlen der für Hollywood-Produktionen hinter der Kamera engagierten Frauen stagnieren seit den 1990er-Jahren, schreibt Lauzen in ihrem jährlichen „The Celluloid Ceiling“-Report. Lediglich sechs Prozent der 250 kommerziell erfolgreichsten US-Filme des Jahres 2013 wurden von Regisseurinnen inszeniert, was allein im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um drei Prozentpunkte entspricht.

Obwohl in den meisten europäischen Ländern offizielle statistische Daten fehlen, kann davon ausgegangen werden, dass hier die Zahlen ähnlich drastisch sind. Das jedenfalls war der Tenor des „Get Yourself Connected“-Treffens weiblicher Filmschaffender bei der Berlinale im Februar dieses Jahres.

„Insgesamt ist weibliches Filmschaffen noch immer unterrepräsentiert“, sagt Gertraud Eiter. Zusammen mit Gerlinde Schwarz kuratiert Eiter seit 2005 die Filmreihe „kinovi[sie]on“, die am 8. jeden Monats Filme von Regisseurinnen im Innsbrucker Leo- kino präsentiert. „Wir zeigen Filme, die sonst in Tirol wohl nicht zu sehen wären, wobei es uns nicht nur darum geht, dass wir die Werke von Filmemacherinnen vorstellen, sondern auch darum, dass diese Filme frauenpolitisch relevante Themen oder die Diskriminierung marginalisierter Bevölkerungsgruppen aufgreifen“, so Eiter.

Rund 250 Filme – vom experimentellen Kurzfilm über dokumentarische Arbeiten und Spielfilme bis zu Werken aus der Stummfilmzeit – wurden bislang im Rahmen von „kinovi[sie]on“ gezeigt. 2010 stand das Projekt kurzzeitig auf der Kippe. Ähnlich wie anderen feministischen Initiativen, wie dem Frauen- und Lesbenzentrum, wurde dem Projekt ohne Angabe von Gründen die Förderung des Landes gestrichen. Erst nach öffentlichen Protesten wurde diese Entscheidung wieder zurückgenommen. Insgesamt hat „kinovi[sie]on“ ein Jahresbudget von 4000 Euro, die Hälfte davon kommt vom Land Tirol, der Rest zu gleichen Teilen vom Bund und der Stadt Innsbruck.

Den heutigen Tag der Frau feiert „kinovi[sie]on“ mit insgesamt sechs Filmen, gleich zwei davon – Tsitsi Dangarembgas „Kare Kare Zvako“ und die kanadische Produktion „Stories We Tell“ von Sarah Polley – werden als österreichische Uraufführungen gezeigt.

Tsitsi Dangarembgas Werk steht überhaupt im Zentrum des Abends. Die simbabwische Autorin und Filmemacherin wird ihre Verfilmung eines afrikanischen Märchens persönlich vorstellen. Bis Mitte April ist die 54-Jährige „Writer in Residence“ an der Universität Innsbruck. (jole)


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