Ur-Tiroler beißen sich durch

Im Außerfern erobern Biber nach und nach ihre alten Lebensräume zurück. Am Lech und an der Loisach gibt’s gleich mehrere Reviere. Der Bestand steigt langsam, aber stetig.

Von Simone Tschol

Außerfern –Er ist der Einzig­e, der ohne Genehmigung Bäum­e fällen darf und dabei auch noch wahre Freude bei den Naturschützern auslöst: Die Rede ist vom Biber.

Rund 200 Jahre nach seiner Ausrottung in Tirol ist der dämmerungs- und nachtaktiv­e Nager in seine alte Heimat zurückgekehrt. Auch im Außerfern fühlt sich der pelzige Geselle mit seiner gedrungenen Statur wieder richtig wohl – sowohl am Lech als auch an der Loisach.

Wer sich auf die Suche nach einem Biberbau begeben möchte, der sollte schon ein ausgewiesener Kenner sein. Denn an genügend hohen Ufern bauen die Tiere lediglich einen Erdbau, dessen Eingang sich unter Wasser befindet. „Erst wenn der Wasserhaushalt nicht mehr passt, bauen sie Dämme, um das Wasser aufzustauen“, erklärt der Außerferner Biber­beauftragte Egon Bader.

Eindeutige Hinweise auf Biber­aktivitäten sind die sanduhrförmig angenagten oder bereits gefällten Baumstämme. Span für Span nagen die Biber mit ihren mächtigen Zähnen aus dem Stamm, bis der Baum fällt. Das gelingt bei Bäumen mit einem Durchmesser von 30 cm schon in einer Nacht. Da die Tiere weder fliegen noch klettern können, um an die Knospen und saftigen Rinden in den Baumkronen heranzukommen, fällen sie kurzerhand einfach den gesamten Baum. Bader: „Der Biber ist nicht am Stamm interessiert. Die Rinden der jungen Äste in den Baumkronen sind sehr nahrhaft. Deshalb kommt das meist nur in den Wintermonaten vor. Im Sommer ernähren sich Biber fast ausschließlich von Wasserpflanzen.“

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Genaue Zahlen über die Biber-Population im Außerfern gibt es nicht. Bader geht jedoch davon aus, dass an der Loisach inzwischen mindestens zehn Biber beheimatet sind – bis hinauf zum Fernpass, wo die Loisach entspringt. Auch der Lech wird von Pflach über Lechaschau langsam, aber stetig flussaufwärts von den Nagern besiedelt. Bader: „Ich habe schon typische Weidenschnitte in Weißenbach und Ehenbichl gefunden. Dort ist aber derzeit keine Biberaktivität mehr zu erkennen.“

So possierlich die Tiere auch sind, es kommt immer wieder zu Konflikten mit dem Menschen. „Alle finden Biber süß, aber nur weit, weit weg. Den Leuten geht es immer nur darum, wer den Schaden bezahlt, den die Biber anrichten“, weiß Bader aus Erfahrung. Er stellt aber unmissverständlich klar: „Entschädigung gibt es keine. Der Biber ist ein Wildtier.“

Im Außerfern sei man diesbezüglich „in der glücklichen Lage“, dass es sich bei den Gewässern, an denen sich Biber angesiedelt haben, um öffentliches Wassergut handelt. „Aber es ist auch schon vorgekommen, dass Apfelbäume oder Trauerweiden gefällt wurden. „Konflikte löst der Biber immer in seinem Sinne“, meint Bader augenzwinkernd.


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