Virgen baut Vorreiterrolle aus

Nach mehrfachen Auszeichnungen für den effizienten Umgang mit Energie ruht sich die Gemeinde nicht auf den Lorbeeren aus. Ein „Zukunftsbild“ nimmt weitere Schritte ins Visier.

Von Claudia Funder

Virgen –Energie-Meilensteine werden in der 2182 Einwohner zählenden Gemeinde Virgen seit den frühen 1990er-Jahren gesetzt. Mit bemerkenswerten Projekten war man in mehreren Bereichen schon früh um die sprichwörtliche Nasenlänge voraus. Hier verfügt man über die größte Dichte an Solar- und Photovoltaikanlagen Österreichs, fördert diese Lösungen, aber auch Biomasse und Wärmepumpen, verzichtet völlig auf fossile Brennstoffe bei Neubau und Kesseltausch, um nur einige Beispiele zu nennen.

Dass Virgen im Vorjahr erneut den European Energy Award in Gold einstreifte, ist eine verdiente Anerkennung. „Wir haben Berge bestiegen und erfolgreiche Gipfelsiege errungen“, freut sich Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler, der aber längst weitere Wege ausgekundschaftet hat.

Denn ein in gemischten Projektgruppen aus Vertretern der Bevölkerung und Ergebnissen einer öffentlichen Versammlung erstelltes „Zukunftsbild Energie“ wurde nun vom Gemeinderat einstimmig durchgewunken. Die höchst ambitionierten Ziele sollen trotz bescheidener Finanzkraft der Gemeinde, aber mit umso größerem Elan in den kommenden Jahren realisiert werden.

Zu den Visionen zähle, so Ruggenthaler, etwa die Erweiterung der Fläche der thermischen Solaranlagen von aktuell 4600 m² auf 6000 m² bis zum Jahr 2020. Im Wärmebereich will man in dieser Zeitspanne fossilfrei werden. Unter dem Schlagwort „Energy Valley Virgen“ wird unter anderem ein Waldbewirtschaftungskonzept umgesetzt, das 70 Forstbesitzer unter einen Hut bringen soll. Ins Visier wird auch bedarfsorientierter öffentlicher Verkehr genommen. Zusätzlich gilt es, das Zu-Fuß-Gehen und somit die Gesundheit der Bürger zu forcieren. Als Gemeinde der „cleveren Haushalte“ ist ein Austausch alter Haushaltsgeräte bis 2018 vorgesehen, der zwar auf freiwilliger Basis erfolgt, aber durch Aktionen gestützt wird. Und Virgen geht Richtung Ernährungsautonomie. So sollen verstärkt Nahrungsmittel aus der eigenen Region auf den Tellern der Bürger landen.

In puncto geplantes Kraftwerk, das von Umweltschützern kritisiert wird, zeigt sich der Ortschef zugeknöpft und meint nur knapp: „Es ist Mittel zum Zweck. Wir brauchen das Geld, um unsere Visionen weiterhin zu realisieren.“

Die Vorhaben des „Zukunftsbildes Energie“ stoßen bei den Virgern auf Akzeptanz. „Es gab aber auch einige nicht sehr freundliche Briefe, etwa nach dem Beschluss des Verzichts auf fossile Energieträger“, betont Ruggenthaler, der stets auf breite Diskussion setzt und ergänzend meint: „Klimaschutz ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf.“


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