Taboga im Interview: 7000 Euro für eine Niederlage

Sein Name brannte sich im Gedächtnis des österreichischen Sports ein wie jener von Dopingsünder Bernhard Kohl: Ex-Bundesliga-Fußballer Dominique Taboga (31) verlieh dem Wettbetrug ein Gesicht, unlängst sprach er darüber.

Innsbruck –Lange schwieg Dominique Taboga. Eine Zeitlang durfte er nicht reden, eine Zeitlang wollte er nicht. Mehr noch als Mutmaßungen über den asiatischen Wettmarkt berührte die Geschichte des suspendierten Grödig-Verteidigers die Gemüter, Wettbetrug findet also auch hier in Österreich statt. Organisiert. Und im großen Stil. Servus TV zeichnete zuletzt ein Interview auf, das ein Licht auf die Praktiken des Geschäfts wirft. Das sagt Taboga ...

... über seine Beweggründe:

Dominique Taboga: „Ich war damals 23 Jahre alt, hatte einen Vertrag, laut dem ich 1200 Euro pro Monat verdient habe, habe selber meine Wohnung und mein Auto finanzieren müssen. Und dann spielt man gegen den klaren Tabellenführer. Meine Siegprämie im Verein war 600 Euro. Es hat geheißen, dass wir 7000 Euro für eine Niederlage bekommen. Das ist ein sehr großer Unterschied. 7000 Euro fürs Nichtstun.“

... zur Tatsache, dass er bei seinen ersten Aussagen die Situation schlimmer dargestellt hatte:

Taboga: „Ich habe sehr, sehr große Angst gehabt, nicht nur um mich, sondern auch um die Familie. Es wurde immer wieder gesagt, wenn ich Bestimmtes nicht mache, wird meiner Familie was angetan. Das war das Ausschlaggebende, warum ich bei der ersten und zweiten Aussage die Situation schlimmer dargestellt habe, als sie wirklich war. Dass eine Waffe im Spiel ist. Zu 80 Prozent hat meine Aussage gestimmt, aber ich habe das ein bisschen ergänzt, damit diese Herren in Haft kommen. Weil meine Angst sehr groß war, dass, sollten sie nach dieser Tat nicht in Haft kommen, wirklich was passiert.“

... wie er manipulierte:

Taboga: „Die einzige Situation, die ich in manipulierten Spielen absichtlich gemacht habe, ist ein Elfmeter-Foul gewesen im Spiel Grödig gegen Red Bull Salzburg – dieser Elfer wurde nicht gepfiffen. Sonst habe ich nichts absichtlich gemacht oder dazu beigetragen, dass diese Manipulation funktioniert, weil wir eigentlich immer Spiele ausgesucht haben, in denen ein Favorit gegen eine kleinere Mannschaft gespielt hat. […] In einigen Situationen geht man natürlich nicht zu 100 Prozent oder nur zu 80 Prozent in einen Zweikampf. Aber eine Manipulation alleine durchzuführen, habe ich leider feststellen müssen, ist unmöglich.“

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... darüber, ob das Netzwerk über Österreich hinausgehe:

Taboga: „In Gesprächen mit Herrn Lamprecht und Herrn Kuljic hat man schon auch herausgehört, dass das ein sehr, sehr großes Netz ist, ein verbreitetes Netz ist. Ich [...] weiß das nicht zu 100 Prozent und kann das nicht beweisen – ich denke mir, dass das schon auch europaweit, oder vielleicht auch weltweit, passiert.“

... wie es weitergeht:

Taboga: „Jetzt muss ich abwarten, bis die Anklageschrift kommt, bis der Prozess beginnt, welches Strafmaß ich bekomme. Momentan bin ich auf Arbeitssuche. Ich möchte und werde auch mit dem Fußball abschließen. Ich möchte ein neues Leben beginnen. […]“

... über die Erpressungen:

Taboga: „Angefangen haben die Erpressungen durch Kuljic und einen anderen 2012. Damals musste ich einen größeren Betrag zurückzahlen, weil mir gedroht wurde, sonst kommen sie bei mir zu Hause vorbei und bringen alles an die Öffentlichkeit. Als ich mich gegen diese Zahlungen gesträubt habe, hat Kuljic einen Tschetschenen ins Spiel gebracht, der mich massiv bedroht hat und mich auch körperlich angegriffen hat.“

... über die strafrechtlichen Konsequenzen:

Taboga: „Man hat gewusst, dass es um gewerbsmäßigen Betrug geht. Über das Strafmaß, darüber, ob das Haft oder eine Gefängnisstrafe bedeuten könnte, habe ich mir keine Gedanken gemacht. Uns wurde immer gesagt, es kann einem nicht bewiesen werden, wenn kein Spieler auspackt.“

... über die Geldflüsse:

Taboga: „Ich habe für die Manipulationen zwischen 70.000 und 80.000 Euro erhalten. Im Zuge der Erpressungen habe ich über 100.000 Euro wieder zurückbezahlt.“

... über seinen emotionalen Ausnahmezustand:

Taboga: „Knapp vor der Verhaftung (November 2013, Anm.) hatte ich Selbstmordgedanken. Ich hatte bereits einen Abschiedsbrief verfasst, habe mich von meiner Frau und meiner Familie verabschiedet. Ich hatte abgeschlossen. Meine Frau hat mir dann Fotos der Kinder aufs Handy geschickt, so hat sie mich überredet. Es war das Zeichen, dass sie zu mir steht.“ (floh)


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