EZB traut Euroraum Aufschwung zu und dämpft Deflationssorgen

Der Leitzins bleibt auf dem historischen Tiefststand von 0,25 Prozent. Die Konjunkturdaten seit der letzten Zinssitzung vom Februar hätten unter dem Strich positiv überrascht, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag.

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Frankfurt - Europas Währungshüter trauen dem Euroraum nach Jahren der Schwäche einen stetigen Aufschwung zu - und dämpfen mit ihren neuesten Prognosen zugleich erneut Sorgen vor einer Deflation. Mit einer Deflation bezeichnen Ökonomen einen gefährlichen Kreislauf aus dauerhaft sinkenden Preise und schrumpfender Wirtschaft.

„Die moderate Erholung schreitet voran“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Das dürfte zugleich den Preisauftrieb stärken - auch wenn die Inflationsraten im Euroraum nach Einschätzung der EZB bis Ende 2016 unter dem Stabilitätsziel der Notenbank von knapp unter 2,0 Prozent verharren dürften.

Dass die Jahresteuerung im Euroraum im Februar 2014 wie in den beiden Vormonaten bei 0,8 Prozent lag, hatte den Ruf nach noch billigerem Zentralbankgeld lauter werden lassen. Doch die EZB sieht nach wie vor keinen anhaltenden Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. Zudem hätten die Konjunkturdaten seit der Februar-Sitzung des EZB-Rates unter dem Strich positiv überrascht, erklärte Draghi.

Daher sahen die Währungshüter auch keine Veranlassung zu einer weiteren Zinssenkung: Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB frisches Geld besorgen können, bleibt auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent.

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Draghi bekräftigte die Einschätzung des EZB-Rates, dass die Zinsen auf absehbare Zeit extrem niedrig - auf dem aktuellen Niveau oder darunter - bleiben werden. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das sorgt wiederum für Preisauftrieb.

Gegen eine weitere Zinssenkung spricht, dass die Konjunktur im Euroraum wieder anzieht. Nach den neuesten Prognosen erwarten die Währungshüter, dass die Wirtschaft im Währungsgebiet im laufenden Jahr um 1,2 Prozent wachsen wird. Im Dezember war die Notenbank noch von einem leicht schwächeren Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen.

Für 2015 sagt die EZB unverändert ein Wachstum von 1,5 Prozent vorher. Danach wird sich die Konjunktur nach Einschätzung der EZB stärker beleben: Für 2016 erwartet die Notenbank ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent.

Den Inflationsausblick für das laufenden Jahr senkte die EZB erneut: von 1,1 auf 1,0 Prozent. Auch danach werde sich der Preisauftrieb kaum beschleunigen, sagte Draghi. Demnach steigen die Verbraucherpreise 2015 um 1,3 Prozent. In ihrer ersten Prognose für 2016 geht die Notenbank von einer leicht höheren jährlichen Teuerung im Euroraum von 1,5 Prozent aus. Draghi erneuerte die Zusage, sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall zu stemmen. (APA/dpa)


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