Für Abtreibung an der Klinik

Nur noch ein Frauenarzt führt in ganz Tirol Schwangerschaftsabbrüche durch. Bei einer Tagung wurde das Recht auf Abtreibung an den Tiroler Kliniken eingefordert.

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Rein rechtlich ist die Situation bezüglich Schwangerschaftsabbrüchen klar: Seit 1974 ist in Österreich die Fristenlösung in Kraft. Sie besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht strafbar ist, wenn er innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft und nach vorhergehender ärztlicher Beratung von einem Arzt erfolgt. „Eine Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen will, muss gewisse Vorgaben erfüllen. Dennoch wird ihr in Tirol dazu nicht die Möglichkeit an öffentlichen Krankenhäusern geboten“, kritisiert Christian Fiala, Leiter der Gynmed Ambulanz in Salzburg und Wien. Er war einer der Redner im Rahmen der Fachtagung des Aktionskomitees „Schwangerschaftsabbruch“ am Donnerstag in Innsbruck. Die Initiative von zwölf sozialen Vereinen erhebt drei Forderungen: fundierte Aufklärung zur Sexualität, Verhütung auf Krankenschein und Abtreibung in öffentlichen Krankenhäusern auf Krankenschein. 30.000 bis 40.000 Abbrüche werden jährlich in Österreich vorgenommen. Mittlerweile führt nur noch eine Privatpraxis in ganz Tirol Abtreibungen durch. Vor allem sozial schwache Frauen können die Kosten für eine Abtreibung um die 800 Euro nicht tragen. „Ich weiß um die prekäre Situation der Frauen in Tirol, die ungewollt schwanger werden“, erklärte Soziallandesrätin Christine Baur in ihrem Statement. Dennoch sei sie sehr skeptisch, dass es in absehbarer Zukunft gelingen könne, dass Abbrüche nach der Fristenlösung an der Klinik durchgeführt werden. Wie bereits berichtet, ist es vor allem die ÖVP, die sich dagegen wehrt. Bauer spricht in diesem Zusammenhang vom „Bohren harter Bretter“. Als Kompromiss kann sich die Soziallandesrätin vorstellen, dass in Tirol eine eigene Ambulanz geschaffen wird, die aber der Innsbrucker Klinikleitung untersteht. ÖVP und Grüne haben im Regierungsübereinkommen zumindest vereinbart, die Versorgungssituation im niedergelassenen Bereich zu evaluieren. Gabi Schiessling, SP-Gesundheitssprecherin, ist das zu wenig: „Wir haben alle Fakten auf dem Tisch. Seit 40 Jahren gibt es die Fristenlösung. Jetzt muss die öffentliche Hand endlich die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen.“

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