Musik als Therapeut und Vermittler

Ein Tiroler Kulturprojekt soll durch Musik einen Brückenschlag zwischen Psychiatrie und Gesellschaft schaffen.

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Von Nicole Strozzi

Innsbruck –Sei es eine Oper von Mozart oder das Unplugged-Album von den Rolling Stones – Musik kann helfen und befreien. Das weiß jeder, der nach einem schlechten Tag erst durch seine Lieblingsmusik wieder auf den Boden kommt.

Doch Musik kann offenbar noch mehr, sie dient auch als Vermittler, um einen Zugang zu neuen Themen zu schaffen. Genau diese Vermittlerrolle macht sich jetzt ein neues Kulturprojekt, das Armin Graber, Diplompfleger an der Innsbrucker Uniklinik für Psychiatrie, ins Leben gerufen hat, zu Nutze. Von 6. März bis 6. April werden in Innsbruck, Hall und Lans psychische Erkrankungen und die psychiatrische Versorgung bei verschiedenen Veranstaltungen thematisiert. Der Abschluss des Projekts ist eine Matinee des Orchesters der Akademie St. Blasius im Großen Stadtsaal in Innsbruck. „Wir wollen damit Menschen ansprechen, die nichts mit Psychiatrie zu tun haben, und Schwellenängste abbauen“, erzählte Graber, der selbst im Orchester als Hornist spielt, gestern.

In der Therapie wird Musik bereits sehr erfolgreich eingebaut. „Viele Patienten haben Schwierigkeiten, zu ihren Gefühlen zu finden. Formen von Kunsttherapie helfen, einen besseren Zugang zur Emotionalität zu finden, und sind eine gute Ergänzung zur klassischen Basistherapie“, erklärte Christian Haring, Vorstand der Psychiatrie am LKH Hall. Wie Musik wirkt, schilderte sein Kollege Josef Marksteiner: „Bei Demenzerkrankungen beobachten wir z. B. bei Patienten, die kaum ein Wort mehr äußern können, dass sie bei bekannten Volksliedern mitsingen oder mitwippen. Das zeigt, wie tief die Musik in uns verankert ist.“

Laut Innsbrucker Psychiatrie-Chef Wolfgang Fleischhacker kann Musik bei unterschiedlichen Krankheiten in unterschiedlicher Weise unterstützend helfen. Egal, ob die Patienten selbst musizieren oder sich bei ihrer Lieblingsmusik entspannen – es geht um Ausdruck, Befreiung und Ablenkung von Negativgedanken. Und Musik verbindet. „Psychisch Kranke haben keinen gelben Fleck auf der Stirn. In vielen Bereichen sind wir gleich, in vielen außergewöhnlich“, macht sich Haring für Normalisierung stark.

Alle Termine zum Projekt: www.tilak.at/pubs/Musik-Brueckenschlag.pdf


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