Rodeln in der Idylle

In Praxmar im Sellraintal herrscht noch Winter. Die 4,8-Kilometer-Rodelbahn ist zum Glück nicht so überlaufen wie viele andere und auch für Tourengeher gibt’s ruhigere Alternativen.

Winter in Praxmar: Gestern waren auf dem Rodelwanderweg auch Spaziergänger anzutreffen.
© gepa

Von Irene Rapp

Gries im Sellrain –Dass immer mehr Menschen in die Natur strömen, ist unübersehbar. Auf die Lampsenspitze in Praxmar im Sellraintal gingen etwa in diesem schneearmen Winter „an manchen Tagen 200 bis 300 Leute“, erzählt Luis Melmer vom Alpengasthof Praxmar. Aber auch als Rodler auf verschiedenen Bahnen konnte man diese Beobachtung machen: und zwar in der Form, dass man bei der Abfahrt an vielen Aufsteigern vorbei musste, die zum Teil zu dritt nebeneinander die Bahn für sich beanspruchten.

Was diese Punkte betrifft, fällt der Rodelwanderweg in Praxmar positiv auf: Gut, die Bahn ist an einigen Stellen flach, dort muss man auch absteigen und den fahrbaren Untersatz einige Meter ziehen. Das ist ein Grund, warum passionierte Rodler dort nicht gerne verkehren. Und so kommen in Praxmar jene auf ihre Kosten, die es gemütlicher haben wollen: zum einen, was die Abfahrt betrifft, zum anderen, weil dort nicht mit Karawanen von Rodlern zu rechnen ist.

Dafür begegnet man anderen Erholungssuchenden: Die Skitour auf die Lampsenspitze kreuzt einige Male die Rodelbahn – am gestrigen Donnerstag gab es auf der beliebten Modetour übrigens frischen Pulverschnee. Und auch Spaziergänger trifft man als Rodler: „Die Strecke ist nämlich ein Rodelwanderweg“, betont Luis Melmer, der diesen jeden Abend ehrenamtlich präpariert, nicht nur bis zur Kogl- alm, sondern weiter hinauf bis zur darüberliegenden Lampsenhütte. „Diese ist geöffnet, dort findet man Liegestühle und Decken, um die Sonne zu genießen“, so Melmer.

Bis zur Koglalm sind rund 4,8 Kilometer und 500 Höhenmeter zu bewältigen, die Alm ist allerdings nicht bewirtschaftet. Und so kommt man hin: Direkt beim Gasthaus Praxmar talauswärts vorbei, ein kleiner – angeschriebener – Weg führt zum Rodelwanderweg Koglalm. Zunächst durch schönen Zirbenbestand hinauf, dann lichtet sich der Wald, der Ausblick: wunderschön.

Direkt an der Koglalm vorbei führt auch eine Skitour, die eine Alternative zur vor allem am Wochenende überlaufenen Lampsenspitze darstellt. Der Praxmarer Grieskogel mit seinen 2710 Metern „ist wunderschön“, wie Melmer schwärmt. Allerdings darf die Erhebung nicht unterschätzt werden: „Der Grieskogel ist geländetechnisch ungefähr so einzuschätzen wie der Zischgeles“, mahnt Melmer zur Vorsicht. Wer dieses Ziel anstrebt, sollte auch ein Auge fürs Gelände haben: Vor allem nach Neuschnee, ohne sichtbare Spur, ist die Orientierung gar nicht so leicht.

An diesem Sonntag wird es in Praxmar aber ein wenig lauter werden: Dann findet die 15. Ausgabe des Wildsau-Rennens statt. Dabei müssen Teams zu je vier Mitgliedern jeweils Lampsenspitze bzw. Zischgeles im Auf- und Abstieg so schnell wie möglich bewältigen. Ein Event, der viele Zuschauer anzieht. Auf „40 bis 50 Staffeln“ hofft Melmer, und dann eilt er wieder zu seinem kleinen Schlepplift vor dem Haus. Einige Kinder wollen Ski fahren, „die fahren alle gratis bei mir“, sagt er. Damit „uns die Skifahrer nicht ausgehen“, hat Melmer auch schon weitere Pläne: „Ich will einen neuen Kinderlift bauen, der alte ist ja schon 50 Jahre alt.“

Infos zur Tour

Ausgangspunkt: Ins Sellraintal, in Gries ins Lüsenstal/Praxmar abbiegen und der Beschilderung folgen. Parken auf dem großen, von der Gemeinde bewirtschafteten Parkplatz (Tagesgebühr: 4 Euro).

Zur Rodelstrecke: Der Rodelwanderweg zur Koglalm ist 4,8 Kilometer lang, rund 500 Höhenmeter sind zu bewältigen. Gehzeit: ab 1,5 Stunden. Entweder am Gasthaus vorbei zum eigentlichen Ausgangspunkt oder über die Piste hinauf zum Weg.

Für Skitourengeher: Die schöne Route zum Praxmarer Grieskogel ist weniger überlaufen als die Lampsenspitze.


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