23 Sportler und eine Hoffnung

Heute 17 Uhr (ORF Sport +) werden in Sotschi die Paralympics eröffnet. Dabei nicht wegzudenken: die Krim-Krise, Russlands Präsident Putin und 23 ukrainische Sportler.

Von Florian Madl

Sotschi –Martin Falch, Behinderten-Skifahrer von St. Anton am Arlberg, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Finden Weltcup-Veranstaltungen, wie er sie kennt, zumeist doch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, so gehören diesmal Sicherheitskräfte zum Stammpersonal der Wettkampfstätten: „Russische Spezialeinheiten sind vor Ort, aber keiner weiß warum.“

Da schwingt ein Schuss Ironie mit, denn wie selten zuvor werden die österreichischen Behindertensportler, wie auch die anderen 700 Teilnehmer der Paralympics, auf die weltpolitische Situation angesprochen. Das Epizentrum: die Krim-Krise, gerade einmal 450 Kilometer von Sotschi entfernt, wo russische Truppen die Balance durcheinanderbringen, die Ukraine und den Westen brüskieren.

Bis zuletzt wusste man nicht, ob denn die ehemalige Sowjetrepublik tatsächlich ein Team entsenden würde. Bei der heutigen Eröffnungsfeier wird es aber doch so sein. 23 Sportler mit blau-gelbem Trainingsanzug werden im Fischt-Stadion einmarschieren. Und auch 82 Sportler mit rot-weiß-blauer Uniform werden darunter sein: Amerikaner, deren Polit-Vertreter offen mit Reaktionen auf die Krim-Krise drohten.

„Das Wohlbefinden der Athleten hat oberste Priorität“, sagt Philip Craven, der Präsident des internationalen Paralympischen Komitees. Und mancher Idealist der olympischen Bewegung mahnt sogar, dass selbst in der Antike zu Zeiten Olympischer Spiele Kriege ausgesetzt wurden. Aber daran glauben selbst nüchterne Realisten nicht mehr. Der Sport hat seine Unschuld längst verloren. Geradezu befreiend wirkt es, wenn die eine oder andere Nation, etwa Österreich, sich über den Medaillenspiegel Gedanken macht.

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So als wolle man der rauen Weltpolitik ein paar Kinderträume entgegensetzen. Matthias Lanzinger, Österreichs wohl prominentester Behindertensportler, ist einer von diesen, die das Geschehen nach langer, intensiver Vorbereitung bewusst ausblenden wollen.

Und auch Michael Kurz, der Osttiroler Langläufer, hat angesichts von fünf anstrengenden Bewerben in zehn Tagen andere Sorgen, als laufend die Krim-Krise im Auge zu behalten. Man will es ihm nicht verdenken. „Wir haben alles Mögliche getan“, erzählt er über die Anstrengungen der letzten Monate. Und sein Zirler Trainer Wolfgang Egger will abseits der Schlagzeilen ohnehin nichts davon mitbekommen haben, dass auf diesen Paralympischen Spielen in Sotschi ein Schatten lastet. „Von der politischen Situation hat man nicht wirklich Angst. Die ersten Eindrücke sind sehr positiv, die Leute sind sehr freundlich und Russland ist ein guter Gastgeber.“ Unglaublich, was in Sotschi alles aus dem Boden gestampft worden sei, schließt Egger seine Beobachtungen. Und ein wenig Stolz schwingt hier unweigerlich mit.

Schließlich wird nur alle vier Jahre den paralympischen Sportlern so der Teppich ausgerollt. Jetzt ist es so weit und warum sollte man es auch nicht ein wenig genießen?


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