Das (T)Raumschiff ist gelandet

Mit der neuen S-Klasse hat Mercedes der guten Konkurrenz einiges vorgelegt, was Komfort, Instrumentenanzeigen, Fahrerassistenzsysteme und Fahrgefühl betrifft.

Die NoVA-Veränderung hat den S 500 4matic (Langversion) in üppigster Ausstattung ganz knapp über die 200.000-Euro-Anschaffungsmarke bugsiert.Foto: Höscheler

Von Markus Höscheler

Achenkirch –Seit Wochen hat der österreichische Finanzminister wenig Grund, sich zu freuen: Innerhalb seiner Partei, der ÖVP, knirschte es wegen des Bundesbudgets, dann kam das nicht ganz überraschende Milliarden-Ungemach der Hypo Group Alpe Adria hinzu. Da entwickelt sich so etwas wie Verständnis, wenn er auf Tauchstation geht wie SP-Bundeskanzler Werner Faymann. Zum eleganten Abtauchen der beiden Staatsmänner eignete sich derzeit keine Luxuskarosse besser als die S-Klasse, die Mercedes seit vergangenem Sommer in neuester Generation anbietet. Die 5,25-Meter-Langversion ist in der Lage, die Insassen so zu verwöhnen, wie kein Premiumkonkurrent es im Augenblick vermag.

Schon der Steuermann hat viele Gründe, glücklich zu sein: Zwei Riesen-Displays hinter dem Lenkrad und auf dem Armaturenbrett stellen anschaulich und in hoher Auflösung Informationen dar, die das Fahrzeug, die Fahrsituation, das Telefon, die Klimatisierung, die Navigation und Multimedia betreffen. Mit dem bewährten Dreh-Drücksteller (Comand) kann der Lenker fast schon surfen wie im Internet, so vielfältig ist das Angebot der neuen S-Klasse.

Das sind nicht die einzigen Spielereien, die im Stillstand bereits die Faszination der Edellimousine ausmachen. Die Sitze, selbst im Fond, lassen sich in vielerlei Hinsicht elektrisch einstellen, bis die hochwertige Ledergarnitur passt. Sitzheizung und -lüftung erhöhen die Qualität des Aufenthalts in der S-Klasse, ein Kühlfach hat womöglich erfrischende Getränke für die von der Tagespolitik gestressten Insassen parat. Fahrer und Beifahrer können ein Massageprogramm aktivieren, das mit zahlreichen Variationen aufwartet, sofern die Option Sitzkomfort-Paket beim Kauf der S-Klasse ein Kreuzchen ausgewiesen hat.

Angenommen, also rein hypothetisch, Faymann und Spindelegger führen mit dem Testwagen S 500 4matic, sie fänden wohl Gefallen am traktionssicheren Allradantrieb und an der gut funktionierenden Spracheingabe für das Navigationssystem, das das angepeilte Ziel gut vor Augen hält. Es gefiele ihnen, dass der Luxusliner in 4,8 s von null auf 100 km/h beschleunigt, auf das mögliche Spitzentempo von 250 km/h könnten sie allerdings verzichten. Um nicht aus der Spur zu geraten oder mit jemandem zu kollidieren, hülfe dem Regierungsduo eine Armada von Fahrerassistenzsystemen, das unter anderem vor toten Winkeln, anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern in der Nacht warnte.

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Und doch: Die Staatsräson verbietet es eher, ein Auto anzuschaffen, das – nicht zuletzt dank der neuen NoVA – 201.655 Euro wert ist. Die Opposition würde wettern: Ein Heinz-Christian Strache (FPÖ) säße, so vermuten wir, gerne selbst am Volant des Spitzen-Mercedes, den ein 455 PS starker V8-Turbobenziner auf Trab bringt, ab 1800 U/min ein Drehmoment von 700 Newtonmetern stemmend. Eine Eva Glawischnig (Grüne) haderte, so unterstellen wir, mit dem Testverbrauch von 11,3 Litern Benzin, als Alternativen gibt es allerdings Diesel- und Hybridvarianten mit S-Klasse-Label. Ein die hohe Abgabenquote kritisierender Matthias Strolz (Neos) stieße sich am Steuer- und NoVA-Anteil des S 500 4matic (55.575 Euro) – und ein Frank Stronach ärgerte sich vielleicht, dass Mercedes die S-Klasse nicht bei Magna-Steyr fertigen lässt. Zumindest leisten könnte er sich den S 500 4matic.


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