Containerschiff auf der Überholspur

Mercedes hat sein Parade-Nutztier, den Sprinter, überarbeitet. Dabei standen vor allem die Assistenzsysteme im Vordergrund.

Die neue Front des Sprinter fügt sich nahtlos in die aktuelle Mercedes-Designlinie ein.Foto: Letzner

Von Lukas Letzner

Innsbruck – Die meisten kennen ihn als Liebling der Zustelldienste. Doch auch als gemieteter Umzugswagen oder als Lastenesel für Handwerksbetriebe macht der Mercedes Sprinter eine wirklich gute Figur. Allerdings waren die Fahrer solcher Ungetüme lange Zeit extrem gefordert, um bei den fast schon containerschiffartigen Dimensionen nicht irgendwo anzuecken oder sich vom Seitenwind auf der Autobahn nicht aus der Spur bringen zu lassen.

Wenn es nach Daimler geht, dann gehören diese Gefahren mittlerweile der Vergangenheit an. Mit dem letzten Facelift hat man dem Sprinter nämlich nicht nur eine neue Optik, sondern auch allerhand Assistenzsysteme mitgegeben, die die Sicherheit erhöhen sollen.

Die überarbeitete Front des Sprinter entspricht der neuen Designlinie von Mercedes und so steht der Kühlergrill senkrechter im Fahrtwind und wirkt noch selbstbewusster. Die Lamellen sind gepfeilt und gelocht, was nicht nur den dynamischen Eindruck unterstreicht, sondern auch den Luftdurchsatz erhöhen soll. Zudem wirken die Scheinwerfer, nicht zuletzt wegen der integrierten LED-Tagfahrleuchten, noch markanter.

Als wir in die Fahrerkabine steigen, sind wir erstmal überrascht. Neben einer Blue­tooth-Schnittstelle für Telefon und MP3-Player ziert die Mittelkonsole ein großes Farbdisplay inklusive Navigationssystem. Von einem Nutztier hätten wir uns solchen Luxus nicht erwartet. Dank des Multifunktionslenkrads hat der Fahrer das Ganze immer im Griff.

Für die entsprechende Längsdynamik in unserem Kasten sorgte ein 163 PS starker Selbstzünder. Schon im unteren Drehzahlbereich legte sich der Diesel ordentlich ins Zeug. In Kombination mit der direkten Lenkung fährt sich der Sprinter daher wie ein Auto, das gut und gerne 1,5 Meter kürzer sein könnte. Die guten Fahreigenschaften haben aber auch ihre Tücken. Beispielsweise ist laut Daimler der Seitenwind auf der Autobahn für jeden fünften Unfall verantwortlich.

Dank des serienmäßigen Seitenwind-Assistenten sollen solche Unfälle nun der Vergangenheit angehören. Das an das ESP gekoppelte System verhindert ein starkes Ausbrechen bei heftigen Windböen. Außerdem stehen ein Spurhalte-, Fernlicht-, Totwinkel- und ein Abstandswarn-Assistent in der Liste der Extras. Wem das noch nicht genug ist, der kann den Sprinter jetzt auch mit der 4-matic, dem Allradsystem von Mercedes, ausstatten. An der Zapfsäule gibt sich der Sprinter angenehm zurückhaltend. Zwar konnten wir den angegebenen Verbrauch von 6,3 Litern nicht erreichen, die 7,2 Liter, die uns der Bordcomputer bescheinigte, sind aber in Anbetracht der 2,2 Tonnen Eigengewicht auch nicht von schlechten Eltern. Zu haben ist der Sprinter WORKER bereits ab 27.196 Euro. Wer aber bei der aufpreispflichtigen Liste der Extras das eine oder andere ankreuzt, muss dann 56.656,80 Euro über den Ladentisch reichen.


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