Und alle Uhren bleiben stehen

In „Broadchurch“ schleicht sich das Böse in ein britisches Kleinstadtidyll ein. Puls 4 zeigt die Krimiserie doppelgleisig.

Innsbruck –Im britischen Küstenstädtchen Broadchurch kennt jeder jeden. Kioskbesitzer Jack winkt Klempner Mark, Pastor Paul plaudert mit Polizistin Ellie und Lokalzeitungschefin Maggie schlürft bei Hotelbesitzerin Becca ganz entspannt ihren Frühstückskaffee. Alles ganz normal, alles ganz banal. Bis eines Nachts alle Uhren im Haus der Familie Latimer stehen bleiben – und wenige Stunden später klar ist, dass Broad­church fortan anders tickt: Danny Latimer, der elfjährige Sohn von Klempner Mark und seiner Frau Beth, liegt tot am Strand. Rasch ist klar: Unfall war das keiner, sondern Mord. Und auf der Suche nach dem Schuldigen stellt sich heraus, dass die gelebte Kleinstadtidylle nur Schein war – hier hat jeder Dreck am Stecken.

Ab Montag (20.15 Uhr) nimmt der österreichische Privatsender Puls 4 die britische Krimiserie „Broadchurch“ ins Programm – und das gleich doppelgleisig. Gezeigt wird das von „Doctor-Who“-Erfinder Chris Chibnall kreierte Format nämlich nicht nur im linearen Fernsehen, sondern auch online. Wer also eine Episode verpasst, kann diese jeweils zwei Wochen lang auf der Website des Senders (www.puls4.com) abrufen. Für Puls-4-Programmdirektor Oliver Svec „ein gelungener Coup“, der dem TV-Zeitgeist entspricht. Lassen sich doch Serien-Fans längst nicht mehr vom Fernsehprogramm diktieren, wann sie ihren Helden über die Schulter schauen.

Aber zurück an die britische Küste, wo nicht nur das Böse, sondern auch ein neues Gesicht Einzug hält. Im städtischen Polizeirevier hat nämlich plötzlich Inspektor Alec Hardy (David Tennant) das Sagen – zum Ärger von Kollegin Ellie (Olivia Colman), die ebenfalls mit dem Chefposten spekuliert hat. Doch der Frust über die verlorene Führungsposition ist wie weggeblasen, als die Nachricht von Dannys Tod die Runde macht. Und die Welt aus den Fugen gerät: Im Laufe der Ermittlungen kommt nämlich ans Tageslicht, dass Dannys Vater für die Tatzeit kein Alibi hat, Kioskbesitzer Jack ein potenzieller Sexualstraftäter ist und Pastor Paul auch nur scheinheilig tut. Und warum löscht Ellies Sohn Tom, der mit Danny eng befreundet war, in einer Nacht- und Nebelaktion die SMS seines ermordeten Kumpels? Doch auch der ermittelnde Inspektor hat keine blütenweiße Weste. Wegen eines Schlampigkeitsfehlers, den er zu verschulden hat, läuft ein Killer frei herum. Gefundenes Fressen für die Sensationsreporterin Karen, die eine Mordsgeschichte wittert.

Spannungstechnisch hat es „Broadchurch“ also in sich, das hat sich bis in die USA herumgesprochen. Denn während in England an der zweiten Staffel gearbeitet wird, haben jenseits des großen Teichs kürzlich die Dreharbeiten zum Remake namens „Gracepoint“ begonnen. Für die US-Version engagierte der Sender Fox übrigens nicht nur Serien-Erfinder Chris Chibnall, sondern auch David Tennant, der erneut zum Chefermittler wird. (fach)


Kommentieren


Schlagworte