Lieber Friseurin als Ingenieurin

Initiativen, Tirolerinnen in technische Berufe zu locken, fruchten wenig. 50 Prozent der Mädchen wählen weiterhin zwischen drei Lehrberufen aus.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Technische Berufe für Frauen werden von Politik und Wirtschaft seit Jahren forciert. So richtig anspringen will der Motor aber bei den Mädchen nicht. Der Mädchenanteil bei Lehrlingen, die eine Ausbildung im technischen Bereich machen, liegt bei sechs Prozent. Das ergibt eine Statistik der Wirtschaftskammer von 2013. In 55 technischen Berufen werden über 4200 Lehrlinge (siehe Kasten) ausgebildet.

Auch eine TT-Umfrage spiegelt diesen Trend wider. Fünf von sieben Burschen wollen in der 4b-Klasse der Übungsmittelschule in Innsbruck einen technischen Beruf ergreifen. Genau umgekehrt ist das Verhältnis bei den Mädchen. Zwei von acht Mädchen tendieren zu einem technischen Beruf. Die Jugendlichen hatten das Fach Berufsorientierung. Ihre Wünsche sind bunt, von der Floristin über Mediendesigner bis Vermessungstechniker. Ein Mädchen, das die HTL für Hochbau besuchen will, sagt: „Ich finde es nicht fair, dass Männer mehr verdienen als Frauen.“ Sie rechnet mit Diskussionen um Frauentoiletten auf Baustellen. Ihre Bedenken sind nicht aus der Luft gegriffen. Wie Werner Holleis vom AMS berichtet, gibt es Negativbeispiele, wie Kunden, die einer Mechanikerin ihr Auto nicht anvertrauen wollen.

Mädchen bleiben traditionellen Berufsvorstellungen treuer, stellt der Berufsberater fest. 2013 ergriff die Hälfte der Mädchen in Tirol die drei Lehrberufe Verkäuferin, Bürokauffrau und Friseurin. In diesen Bereichen ist das Angebot groß. Aber wie Helmut Wittmer von der Wirtschaftskammer Tirol betont, „werden gerade in den Sparten Metallverarbeitung und IT Fachleute gesucht“. Er bedauert, dass trotz der Maßnahmen von Wirtschaft und Politik die „großen Veränderungen“ auf sich warten lassen. In der Schweiz etwa, so erklärt der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl, sei die Entwicklung sogar gegenläufig.

Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf findet Info-Aktionen, wie den „Girls’ Day“, weiterhin sinnvoll, um den „notwendigen Umdenkprozess bei jungen Frauen anzuregen“. Eine technische, handwerkliche oder naturwissenschaftliche Ausbildung biete Chancen und eine bessere Bezahlung. „Das ist ein Schritt, um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern zu verringern.“

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