„Wir wissen, was es braucht, um Titel zu gewinnen“

Während die Wattener Pinguine die große Titelparty genossen, will Verlierer Kundl in aller Ruhe zur Aufarbeitung schreiten.

Von Alex Gruber

Wattens –„The winner takes it all, the loser’s standing small.“ Im Wattener Alpenstadion flogen am Donnerstagabend die Helme auf beiden Seiten aufs Eis. 1. bei den Wattener Pinguinen aus Begeisterung, weil sie nach einem 9:3-Kantersieg und 3:1-Sieg in der Best-of-five-Finalserie den Titel in der Eliteliga verteidigen konnten. 2. bei den Kundler Krokodilen aus Enttäuschung, weil sie nach überragendem Grunddurchgang (nur eine Niederlage) zum vierten Mal in Serie im Finale als Verlierer vom Eis schlichen.

„Es gibt nichts Schöneres, als einen Titel zu gewinnen, da weiß man, für was man die ganze Saison gearbeitet hat“, strahlte der routinierte Wattens-Goalie Markus Seidl über beide Ohren. Es war sein dritter Titel in Serie (einer beim HCI, zwei in Wattens) und sein neunter (zuvor mit Feldkirch/2, Traunlange, Salzburg/2 und ATSE Graz) insgesamt. „Besser kann man sein Karriereende nicht planen“, wirft Seidl die Fanghandschuhe jetzt endgültig ins Eck. Im Wissen, dass auch die abgelaufene Finalserie Sieger­typen wie ihm auf den Leib geschneidert war: „Wir haben einfach sehr viel Erfahrung im Team. Und in einem Finale sieht man dann eben, wer den Druck aushält und wer wegbricht. Wir haben mit Jagersbacher, Schönberger, Schwitzer und Co. einfach Leute, mit denen du Titel gewinnst. Die machen die berühmten Kleinigkeiten richtig.“

Doppeltorschütze Marc Schönberger hatte nach einigen unschönen Kundler Stockattacken am Ende trotz Triumph zunächst keine Lust zum Feiern: „Ich verstehe ja einen gewissen Frust, aber das gehört sich nicht. Ich hatte zunächst einen richtigen Schleim.“ Danach tanzte einer der vielen Ex-Haie im Dress der Pinguine aber auch bis frühmorgens ins „Alpi“ ab: „Wir wissen, was es braucht, um Titel zu gewinnen.“

Während die Wattener strahlten, fuhr Kundl-Goali­e Marco Repitsch, der im Mittel­drittel sechs Treffer kassierte, nach 40 Minuten geknickt vom Eis: „Wattens hat das Play-off cleverer gestaltet. Im Play-off zählt die Routine. Bei ihnen ist alles gegangen, bei uns nichts mehr. Es tut weh, ein Finale zu verlieren, für mich war’s das erste Mal, für einige bereits zum vierten Mal in Serie.“ Zum Beispiel für Claus und Andreas Haltmeier oder den sportlichen Leiter Bruno Schiestl, der sich wie ein Sir verhielt: „Wattens hatt­e im Finale mit Marc Schönberger einen Torjäger, mit Jagersbacher den besten Spieler in der Serie und mit Seidl den besten Goalie. Man kann ihnen zu dieser Qualität und dem Titel nur gratulieren.“ Nur wegen der neuerlich verlorenen Finalserie – Schiestl: „Im Fußball-System wären wir mit Respektabstand Meister geworden“ – sei im Unterland längst nicht Land unter: „Das Mitteldrittel in Wattens hat weh getan. Da war einiges echt stümperhaft. Aber die Welt geht jetzt sicher nicht unter. Ein zweiter Platz ist kein Misserfolg. Und um Erfolg zu haben, muss man auch verlieren können“, will Schiestl alles in Ruhe aufarbeiten, um mit dem gleichen Tatendrang auf ein Neues die nächste Saison in Angriff zu nehmen. Man werde mit Blickrichtung Titel ja sehen, „wenn’s so sein will“.


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