Frühling heizt ein: Sonnentage mit Schattenseiten

Der milde Winter könnte zu einer Schädlingsplage führen, weil zu viele Larven überlebt haben. Das Ausmaß ist noch unsicher. Sicher ist hingegen, dass der Frühling da ist.

Von Christoph Mair

Innsbruck –Nachdem der Winter zumindest in Nordtirol sehr bescheiden abgeschnitten hat, bemüht sich der Frühling umso mehr, seinem Namen gerecht zu werden. Seit seinem meteorologischen Beginn am 1. März baut sich der Lenz vielversprechend auf, um an diesem Wochenende Einblick in sein Repertoire zu geben: 16 Grad und Sonnenschein, mit Aussicht, dass diese Kombination einige Tage anhält.

Kein Wunder also, dass viele Tiroler schon wieder die Lust an der Gartenarbeit packt. „Sie sind schon eifriger, als uns lieb ist“, lacht Erich Schwarzenberger, Chef des gleichnamigen Samenhandels in Völs. Seinen Kunden rät der Experte, mit der Aussaat noch zu warten, weil die Nächte noch Frost bringen. „Um den Garten und Rasen zu düngen, ist jetzt aber absolut die richtige Zeit.“

Emsiger Betrieb herrscht früher als üblich auf vielen Gemüsefeldern im Großraum Innsbruck. Die Bedingungen zur Aussaat von Radieschen und Karotten nennt Fred Unmann von der Landwirtschaftskammer Tirol „ideal“. Der Ackerboden sei wegen der geringen Schneemengen gut abgetrocknet und befahrbar. Die jungen Pflanzen würden Licht und Wärme genießen, nachts schützt sie freilich noch ein Vliesüberzug vor Minusgraden. Der Gemüsebaureferent der Kammer schätzt, dass heuer die ersten Radieschen zwei Wochen früher als üblich reif sind. „Wir hatten auch schon Jahre, in denen wir zittern mussten, ob wir sie bis zum Radieschenfest Ende April ernten können“, erinnert sich Unmann. Bedrohlich für die Pflanzen könnte allerdings harter Frost werden, sagt Unmann.

Ob nach dem milden Winter auch eine Schädlingsplage den Feldfrüchten Probleme bereiten könnte, werde erst die Entwicklung im Frühjahr zeigen, meint Unmann.

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Das Potenzial für eine richtige Insektenplage sei jedenfalls da, betont Universitätsprofessor Michael Traugott. Die vergleichsweise hohen Temperaturen des Winters hätten zu einer deutlich höheren Überlebensrate gewisser Insektengruppen geführt, berichtet der Agrarökologe. Bei Extremtemperaturen von minus 15 Grad und darunter würden wesentlich mehr Larven von Schädlingen, wie Fruchtfliegen, Blattläuse oder Kohlweißlinge, absterben als im abgelaufenen Winter, der auch das Tor für Schädlingsarten wie die gefürchtete Mittelmeerfruchtfliege geöffnet habe, die normal in wärmeren, südlicheren Gefilden beheimatet sei.

Allerdings sei ein milder Winter allein noch kein zwingender Grund für eine Schädlingsplage, beruhigt Traugott. Ob es so weit komme, hänge auch noch von der Witterung im Frühjahr ab, kühles und nasses Wetter störe die Insekten in ihrer Entwicklung. Nicht zu vernachlässigen seien auch die Nützlinge, also Insekten, die den Schädlingen zu Leibe rücken. Auch diese seien heuer wesentlich zahlreicher vorhanden.

Den Landwirten und Gärtnern empfiehlt der Experte, ihre Anbauflächen genau im Auge zu behalten und auf Schädlingsbefall zu reagieren.


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