In ganz kleinen Schritten zur Revolte

Manfred Schild inszeniert „Messer in Hennen“ im Innsbrucker Kellertheater.

Eine Frau zwischen zwei Männern: Philipp Rudig, Teresa Waas und Johann Nikolussi in „Messer in Hennen“.
© Kellertheater

Innsbruck –In David Harrowers Stück „Messer in Hennen“ geht es um die Entzauberung der Welt durch die Magie der Sprache, darum, dass man die Dinge nur verstehen und verändern kann, wenn man im Stande ist, sie zu benennen.

Eine junge – bezeichnenderweise namenlose – Frau (Teresa Waas) erwirtschaftet sich gemeinsam mit ihrem Mann, einem Pflüger, den alle „Pony-William“ (Philipp Rudig) nennen, ein karges Auskommen. Freudlose Feldarbeit bestimmt ihre Tage. Geredet wird wenig, wenn, dann hauptsächlich aneinander vorbei. William, der sich lieber mit seinen Pferden als mit seiner Frau beschäftigt, herrscht mit harter Hand, immer wieder verliert er ob des Verhaltens der Frau die Fassung. Sie stellt Fragen, versucht das, was sie sieht, zu beschreiben, der Welt, die sie umgibt, einen Namen zu geben, weil sie erkannt hat, dass sie „Namen in das hineinstoßen muss, was da ist. So wie ich mein Messer in den Magen einer Henne stoße.“

In Gang gesetzt wird dieser schmerzhafte, mitunter brutale Prozess der Weltaneignung durch das Zusammentreffen mit dem Müller (Johann Nikolussi). Der lebt als Außenseiter am Rande des Dorfes und gilt als gefährlich, als mörderisch, ja dämonisch, weil er wagt, „ich“ zu sagen, und auf das, was „die Leute“ sagen, pfeift.

Manfred Schild inszeniert diese Versuchsanordnung über das Aufbegehren einer Frau gegen althergebrachtes Denken und gottesfürchtig frömmelnde Erklärungen schnörkellos. Einzig eine durchaus effektvoll in Szene gesetzte Traumsequenz bricht das atmosphärische Dunkel der von Luis Graninger entworfenen Bühne für einige Sekunden auf.

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Ansonsten setzt Schild auf handfeste, betont einfache Bilder und schafft dadurch auch in der bisweilen beklemmenden Enge des Innsbrucker Kellertheaters Raum für das nuancierte Spiel des durchwegs überzeugenden Ensembles. Überhaupt sind es die kleinen, unscheinbaren Momente, die von „Messer in Hennen“ in Erinnerung bleiben: Rudigs mal sehnsüchtiger, dann wieder verzweifelter Blick, der so gar nicht zum Choleriker passen will, als der er sich gebärdet. Nikolussis unmerkliches Stocken, wenn er mit seiner eigenen Trauer konfrontiert wird, und – vor allem – Teresa Waas’ sich in zögernden Gesten bahnbrechende Lust, die Dinge beim Namen zu nennen. (jole)


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