Lebensfreude, die anderen Mut macht

Vor dem Welt-Down-Syndrom-Tag fand in Lienz ein besonderes Foto-Shooting statt. Das Ergebnis ist demnächst auf 150 Plakaten zu sehen: lachende Gesichter, die den Blick auf außergewöhnliche Menschen schärfen werden.

Von Claudia Funder

Lienz –Es war ein Treffen, das den Beteiligten nicht nur sichtlich großen Spaß machte, sondern auch eine Botschaft nach außen tragen wird: wie schön das Leben mit Down-Syndrom sein kann.

17 Familien aus Osttirol und Oberkärnten – insgesamt rund 50 Personen – posierten in Lienz erfrischend entspannt für ein beachtenswertes Projekt vor der Kamera. Menschen mit Down-Syndrom bzw. Trisomie 21, wie die Chromosomen-Besonderheit auch genannt wird, lächelten einzeln, mit Geschwistern, mit Eltern und in der Gruppe in die Linse. Fotografisch festgehalten wurden die sonnigen Momente von Ginna Babcock und Illona Messner.

Anlass der Aktion ist der Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März. „Wir wollen diesen Tag nutzen, um zu zeigen, dass ein Leben mit Down-Syndrom lebenswert ist und den Menschen und deren Familien viel Freude bringt“, erklärt Pia Schlichenmaier, Obfrau des Osttiroler Vereins „Hand in Hand für und mit behinderten Kindern“. „Mit den Fotos wurden Plakate gestaltet, die in Arztpraxen, Apotheken, Schulen, Kindergärten und Geschäften aufgehängt werden.“ Rund 150 Poster werden demnächst für Aufmerksamkeit sorgen – mit Motiven, die Mut machen.

Denn die Unsicherheit ist oft groß. „Kommt jemand mit der Diagnose Trisomie 21 in Kontakt und erinnert sich an die lachenden Gesichter, dann haben wir viel erreicht“, meint die Lienzerin Sandra Lassnig, Mutter des zweijährigen Tobias und Initiatorin der Posteraktion.

„Natürlich weiß man am Anfang nicht, was auf einen zukommt“, erinnert sich Pia Schlichenmaier an die Diagnose nach der Geburt ihres heute 13-jährigen Sohnes Jonas. „Viele sind verunsichert und haben Angst, es nicht zu schaffen. Aber wenn ich damals gewusst hätte, wie unser Leben mit Jonas heute ist – ich hätte mir nicht halb so viele Sorgen gemacht.“

Es habe sich viel geändert. Wurden Kinder mit Down-Syndrom früher bisweilen sogar „versteckt“, gehe man heute deutlich offener damit um – in vielen Bereichen des Alltages.

Fakt sei aber, erklärt Schlichenmaier, dass sich nach der Diagnose, die aufgrund der modernen Medizin heute schon früh gestellt werden könne, 95 Prozent der werdenden Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden – aus Unkenntnis und Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. „Dabei brauchen die Kinder im Grunde das Gleiche wie andere auch: eine liebende Familie“, weiß Manuela Kollnig aus Stribach, Mama des kleinen Leo, 15 Monate alt.

In der Begegnung mit Menschen mit Down-Syndrom wünscht man sich mehr Normalität und Selbstverständlichkeit. „Es ist ein großer Unterschied, ob jemand nur starrt, oder schaut, aber auch lächelt und grüßt“, betont Schlichenmaier. „Man kann ja ruhig Neugier im Blick haben.“

Der Anfang war nicht leicht, hielt so manche Hürde bereit. „Ich hatte nach der Geburt von Jonas das Gefühl, mir alle Infos selbst suchen zu müssen. Man denkt ja weit voraus“, erinnert sich Schlichenmaier, die sich seitdem für eine Starthilfe starkmacht. Der Verein „Hand in Hand für und mit behinderten Kindern“ – 1999 ins Leben gerufen und 55 Mitgliederfamilien groß – unterstützt Eltern neugeborener Kinder mit Down-Syndrom – auf Wunsch mit persönlichen Gesprächen, aber auch mit einer neuen Infobox. „Diese enthält wichtige Kontakte und Infos, einen Gesundheitspass, aber auch Mutmacher“, so Schlichenmaier zum Inhalt. „Die Eltern bekommen die Box nach der Geburt im Krankenhaus.“

Für dieses Projekt, das wertvolle Erstinfos liefert, wird um Spenden gebeten. Down-Syndrom Österreich – Neugeborenen Infobox, IBAN AT17 20607 0000 117 2048, BIC: SSBLAT21XXX.

In Planung befindet sich auch eine Schulstart-Box.


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