Burgtheater: 400.000 Euro für die „Faust“-Macher

Jetzt steht auch die Höhe der Gagen am Burgtheater in der Kritik. Das Haus weist diesbezügliche Vorwürfe „schärfstens“ zurück.

© APA/HANS KLAUS TECHT

Wien –Im Finanzskandal am Wiener Burgtheater stehen jetzt auch die Gagen, u. a. für Intendant Matthias Hartman­n, zur Diskussion. Laut Aufsichtsratsprotokoll sind auch überhöhte Führungsgagen ein Grund für die Budgetüberschreitungen. Im Juni hielt der Aufsichtsrat fest, dass ein Soll/Ist-Vergleich der Produktionen der vergangenen zwei Geschäftsjahre ergeben habe, „dass die Budgetüberschreitungen auf höhere Gagen (‚Kosten für das Leading Team‘)“ zurückzuführen seie­n, so profil-online am Freitag.

Besonders hoch seien demnach die Kosten für Regie, Bühne, Kostüm, Licht und Co. bei Produktionen gewesen, die Burg-Chef Matthias Hartmann als Regisseur betreute. Bei Hartmanns Eröffnungsinszenierung „Faust 1“ gingen über 400.000 € an das Leading Team, bei „Faust 2“ waren es 417.000 € – bei Gesamtkosten von 650.000 €. Bei „Das trojanische Pferd“ seien es 211.000 von rund 376.000 € gewesen, bei „Krieg und Frieden“ 205.000 von 413.000 €.

So seien Hartmann-Inszenierungen im Kasino mitunter teurer gewesen als jene von renommierten Kollegen wie Stephan Kimmig und Barbara Frey auf der Burgbühne oder im Akademietheater. Auch verdiente das Leading Team unter Gastregisseuren prozentuell meist deutlich weniger.

Bereits am Mittwoch hatt­e Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl im Ö1-„Kulturjournal“ kritisiert, dass nach seinen Informationen Hartmann zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von 220.000 Euro weitere 250.000 Euro für künstlerische Tätigkeiten beziehen könne. Neos-Kultursprecherin Beate Meinl-Reisinger hatte in diesem Zusammenhang eine Rückkehr zu etwa jener Vereinbarung mit Hartmanns Vorgänger Claus Peymann gefordert, in dessen Vertrag bereits zwei Regiearbeiten inkludiert gewesen seien.

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Das Burgtheater wies am Freitag die Vorwürfe bezüglich der Gagenhöhe der Leading Teams „schärfstens“ zurück. Laut den Wirtschaftsprüfern von KPMG lägen die Ausstattungskosten der Direktion Hartmann schließlich im Schnitt bei 3,6 Mio. Euro – gegenüber 4,1 Mio. Euro als Mittelwert der Spielzeiten vor seiner Intendanz. Die Kosten seien deshalb vermeintlich explodiert, weil sowohl fest angestelltes Personal als auch Gäste nicht im Personalaufwand verbucht, sondern bilanztechnisch in das Anlage­vermögen verschoben wurden. „Dadurch steigen auf dem Papier die Leading-Team-Kosten und können über mehrere Jahre abgeschrieben werden, während die realen Leading-Team-Kosten leicht gesunken sind“, so das Burgtheater in einer schriftlichen Stellung­nahme. (APA, TT)


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