Ein toller Mozart-Tag mit Luft nach oben

Mit „Le nozze di Figaro“ startete die konzertante Serie der Da-Ponte-Opern unter Harnoncourt im Theater an der Wien.

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Von Stefan Musil

Wien –„Così fan tutte“, szenisch, hätte es werden sollen. Doch Regisseur Martin Kusej sagte vor einem Jahr ab. Das Theater an der Wien schwenkte auf konzertant um und bietet nun alle drei Mozart-Da-Ponte-Opern unter Nikolaus Harnoncourt. Erstmals sitzt dafür auch Harnoncourts Alte-Musik-Ensemble, der Concentus Musicus, im Graben.

Der Chronologie der Entstehung folgend, machte „Le nozze di Figaro“ den Anfang. Und wie man es erwarten konnte, fiel das Ergebnis ungewöhnlich aus. Denn Harnoncourt, der schon bei seinem Salzburger Festspiel-„Figaro“ im Mozart-Jahr 2006 mit ungewohnten Tempi überraschte, hat jetzt noch einmal kräftig an der Extreme-Schraube gedreht. Schon die Ouvertüre hebt gar nicht quirlig, sondern ganz tragend seriös an. In dieser Gangart, in dieser gegen die Konvention gebürsteten, differenzierten Tempodramaturgie geht es durch den gesamten Abend. Die Rezitative sind, akribisch gearbeitet, mehr Sprechgesang, was ihrer Plastizität erfrischend guttut – und im Falle des Elisabeth Kulman überzeugend burschikos gelungenen Cherubino, der quasi im Stimmbruch zwischen tiefer Brust- und säuselnder Kopfstimme hin- und herswitcht, eine komische Note ins Spiel bringt. Natürlich klingen auch aus dem nicht immer ganz perfekt spielenden Orchester viele Details und Stimmen, die überraschen. Das macht diesen „Figaro“ insgesamt vor allem zum großen Hörabenteuer, weil man in dem bekannt geglaubten Werk nicht mehr weiß, was hinter der nächsten Ecke lauert. Ein Abenteuer, das dann nicht alle Sänger mittragen konnten. Freilich, Mari Eriksmoen war eine hübsch lyrische Susanna, Bo Skovhus steht immer noch einige Autorität als Graf zur Verfügung und die Nebenrollen waren durchwegs anständig besetzt. Andrè Schuens Figaro fiel jedoch zu leichtgewichtig und eindimensional aus, und Christine Schäfer hatte nicht nur einen rabenschwarzen Abend, sondern hörbar auch die Partie der Gräfin nicht perfekt studiert.

Für die kommenden Aufführungen von „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ bleibt also noch einige Luft nach oben!

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