Streiter im Interview: „Bin überzeugt, dass wir es schaffen“

Wacker-Trainer Michael Streiter im TT-Interview zum Ernst der Lage im Abstiegskampf, der geplanten Trendwende am Sonntag im Tivoli-Schlager gegen Rapid sowie seinem Optimismus, die Liga zu halten.

Innsbruck – Von wegen deprimiert durch die Gegend bzw. über den Platz laufen – Wacker-Trainer Michael Streiter versprüht trotz der lästigen roten Laterne Optimismus und hat ausgerechnet gegen Rapid den ersten Sieg seiner Amtszeit im Visier. Wäre auch höchst an der Zeit, denn sonst droht dem Tiroler Fußball einmal mehr der Absturz in die Bedeutungslosigkeit. 5000 Karten waren gesten im Vorverkauf schon weg, Kaiserwetter ist angesagt – es wäre alles angerichtet für ein schwarzgrünes Fußballfest.

Der Blick auf die Tabelle sagt was?

Streiter: Wir stehen da, wo wir nicht stehen wollen. Die Lage ist, wie sie ist, aber noch lange nicht hoffnungslos. Es sind noch elf Runden zu spielen und somit noch genug Punkte zu holen. Nur müssen wir endlich damit beginnen.

Was spricht für den ersten Meisterschaftssieg im Jahr 2014?

Streiter: Meine Mannschaft. Ich seh’ sie beim täglichen Training. Diese Einstellung muss auch einmal belohnt werden.

Was spricht dagegen?

Streiter: Damit befass’ ich mich erst gar nicht. Es ist höchste Zeit, die Trendumkehr einzuläuten – und das werden wir gegen Rapid auch mit aller Macht versuchen. Fakt ist, dass wir immer wieder Fehler machen, die rigoros bestraft werden. Die müssen abgestellt werden, sonst wird es nichts mit der Trendumkehr.

Abstiegskampf ist für den Wacker-Rekordspieler und jetzigen Trainer absolutes Neuland. Eine große Umstellung?

Streiter: Stimmt. Damit bin ich zum ersten Mal konfrontiert. Etwas ganz eigenes, weil sich viel – wenn nicht alles – im Kopf abspielt. Da passieren Fehler, die nie passieren würden, wenn man sich im gesicherten Mittelfeld oder im oberen Drittel der Tabelle befinden würde. Die Tabellensituation erzeugt Druck, dem man auch mit Gewalt begegnet – und das funktioniert nicht. Die Lockerheit muss zurück. Daher ziehen wir auch einen Psychologen bei. Ich will das gar nicht an die große Glocke hängen. Wer will, soll es machen. Wenn wir ein, zwei Prozent herauskitzeln, dann hat es schon Sinn gemacht.

Der Fahrplan zum Klassenerhalt?

Streiter: Entkrampfung. Klingt einfach, ist es aber nicht. Das beste Mittel wäre ein Erfolgserlebnis. Wenn das gegen ein Großen wie Rapid eintritt, umso besser. Ich will meine Spieler nach 90 Minuten wieder einmal lachen sehen.

Kommt da der Rekordmeister gerade recht?

Streiter: Warum nicht. Rapid hat Tradition, Geschichte. Grünweiß ist Kult und Spiele gegen die Hütteldorfer sind immer etwas Besonderes. Siege erst recht. Qualität hat die Mannschaft immer noch, daher ist natürlich Respekt angebracht.

Geistert der Plan B auch schon im Kopf des Trainers herum?

Streiter: Daran verschwende ich keinen Gedanken, weil ich voll auf einen anderen Plan fokussiert bin – nämlich mit dem FC Wacker die Liga zu halten.

Wirkt sich Unruhe im Verein auf die sportliche Abteilung aus?

Streiter: Ist nicht meine Baustelle. Mein Bereich ist das Sportliche, damit bin ausgelastet genug und meinen Weg geh’ ich sowieso konsequent. Beruhigend war die Aussage unseres Präsidenten, dass die Lizenz kein Problem sein sollte.

Die Euphorie ist immer noch so vorhanden wie beim Dienstantritt im Jänner?

Streiter: Voll. Ich fahre jeden Tag mit ungebrochener Begeisterung zum Training. Die Bedingungen sind voll in Ordnung. Ich habe einen professionellen Trainerstab, der voll mitzieht und auf den ich mich verlassen kann.

Vier Spiele, ein Punkt – Trainereffekt sieht anders aus ...

Streiter: Den viel zitierten Trainereffekt gibt es für mich nicht. Von heute auf morgen geht es halt nicht. Auch nicht im Fußball. Beispiel Roger Schmidt in Salzburg. Dem hat man die Zeit gegeben und auch nach Rückschlägen wie der Pleite gegen Düdelingen nicht die Nerven verloren. Jetzt schwärmt jeder von Salzburg. Ich hatte auch bei meinen Jobs in Altach und Horn am Anfang nicht gleich Erfolg. Zurück zum FC Wacker. Ich bin seit Anfang Jänner im Amt, die Lage ist prekär und mir ist auch klar, dass der Faktor Zeit ein beschränkter ist. Aber das war mir klar, damit muss bzw. kann ich umgehen.

Der FC Wacker schafft den Klassenerhalt, weil …

Streiter: … es diese Mannschaft draufhat, die Liga zu halten, und es sich verdient, endlich für ihren Aufwand belohnt zu werden. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen und die Kurve zum Klassenerhalt kratzen.

Kurzer Themenwechsel – der Fall Taboga?

Streiter: Unfassbar für mich. Da wurden Klub, Kollegen und der Fußball schwer geschädigt und verraten. Da gibt’s keine Milderungsgründe, absolut zu verurteilen. Imponiert hat mir, wie der SV Grödig mit dem leidigen Fall umgegangen ist.

Was macht Michael Streiter während der Fußball-WM in Brasilien?

Streiter: Urlaub. Aber nicht ohne Fußball. Das Handy wird glühen. Schließlich gilt es, die Weichen für die neue Saison zu stellen.

Erstklassig oder zweitklassig?

Streiter: Noch einmal. Wir schaffen die Wende und bleiben oben. Und zwar auf sportlichem Weg und nicht, weil vielleicht jemand die Lizenz nicht bekommt.

Das Gespräch führte Wolfgang Müller


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