Viel Lärm, sonst nichts

Imst – Wer das Werk des Autors Uli Brée kennt, weiß um dessen Feingeist, Hintersinn und Humor. Seine Theaterstücke sind allemal gut für eine...

© Hauser

Imst – Wer das Werk des Autors Uli Brée kennt, weiß um dessen Feingeist, Hintersinn und Humor. Seine Theaterstücke sind allemal gut für einen Abend bester Unterhaltung mit Anspruch und Niveau. Brées Blick auf Zeitgeist, gesellschaftliche Irrungen und Wirrungen, seine Sicht auf politische Sumpflandschaften, sein psychologisches Gespür bedienen Humor ebenso, wie sie die Selbstreflexion der Zuschauer provozieren.

Nicht anders verhält es sich mit seinem Stück „Bye, bye Bambi“, in dem Gabriel Castaneda Senn als Co-Autor fungierte. Vor drei Jahren mit Brée und Castaneda in Land­eck aufgeführt, sorgte es für Lachstürme und uneingeschränkte Heiterkeit. Gar nichts zum Lachen gibt es in der aktuellen Version des Theaterforums Humiste unter der Regie von Peter Schaber.

Schaber setzt das Stück in den Sand, reduziert es auf zur Lärmorgie, zum billigen Sexklamauk. Keine Pointe erreicht das Publikum. Dabei bietet das Stück Humor vom Feinsten: Was sich da hinter einer Real-Satire versteckt, ist mehr als schwarzer Humor, es ist der Witz des täglichen Lebens.

Wenn eine lesbische Dorfschullehrerin, um die engstirnigen, ewig gestrigen (Sexual-­)Moralvorstellungen einer Dorfgemeinschaft zu sprengen, ein Liebesdrama für zwei Romeos schreibt, das dann von einem letztlich nicht schwulen Türken und einer nicht lesbischen Julia verkörpert wird, da nützen auch die Machenschaften eines in jeder Beziehung korrupten Bürgermeisters nicht, die vorprogrammierte Katastrophe zu verhindern. Alles nur erdacht? Nein, vom täglichen Leben abgeschaut, in dem Schein mehr als Sein ist, Scheinmoral vor Moral und Hinterhalt vor Haltung geht.

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Doch von alledem sieht und hört man nichts. Schreie­n, Brüllen, Getöse, Gehüpfe, viel, viel Lärm, sonst nichts. Selbst die exzellenten schauspielerischen Leistungen eines Peter Wolf oder Bernd Sonderegger können die Ratlosigkeit in den Gesichtern der Zuseher nicht verhindern. Bleibt das Bühnenbil­d von Karl Krachle­r, das in jeder Beziehung mehr sagt als das Spiel davor. (hau)


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