Wacker wie St. Pauli – das bleibt vorerst eine Vision

Die Finanzprüfer der Bundesliga fühlen dem FC Wacker auf den Zahn. Einen Plan B hätten die Tiroler für Liga zwei, eine Vision auch.

Von Florian Madl

Innsbruck –Der Bass aus dem Stadionlautsprecher animierte gestern nach dem 1:1 gegen Rapid stimmungsvoll zur After-Party, Wacker-Präsident Josef Gunsch war wohl mehr nach Ruhe. Gegen den Rekordmeister hätte man den Sieg am Fuß gehabt, das Unentschieden stimmte das Vereinsoberhaupt sichtlich nachdenklich. Er glaube weiter an den Klassenerhalt, meint Gunsch zehn Runden vor Schluss (sieben Punkte Rückstand).

Sportlich übt sich Gunsch in Zweckoptimismus, in seinem Metier (Betriebswirtschaft) nimmt man es dem Milser allerdings eher ab. Bestätigen werden ihm das in den kommenden Wochen die Prüfer der Fußball-Bundesliga, die so genannte Lizenzierung und die daraus resultierende Genehmigung fürs kommende Spieljahr 2014/15 erwuchs in den vergangenen Jahren immer wieder zur Zitterpartie.

Heuer soll das nicht so sein: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und alle Unterlagen beisammen.“ Das gilt auch für einen Plan B, den die Bundesliga fordert – eine Schönfärberei für das Szenario Abstieg. Davon spricht der 42-Jährige aber nicht gern: Die Einnahmen würden dann nämlich um 2,2 Millionen Euro zurückgehen, mit 4,7 Millionen Euro Budget müsste man trotz gleichbleibender Infrastrukturkosten das Auslangen finden.

Das enge Finanzkorsett des Vereins weckt Begehrlichkeiten, in Tirol scheint jedenfalls kein Geldgeber in Reichweite. Deshalb streckte man zuletzt seine Fühler ins Ausland aus. Mit dem deutschen Sportvermarkter UFA, einer Tochter der RTL Group (Bertelsmann/Sitz in Hamburg), hätte man einen durchaus potenten und vernetzten Interessenten an der Angel gehabt. Das Unternehmen kümmert sich seit fünf Jahren um Zweitligist St. Pauli, wo Tradition nicht minder gelebt wird als am Tivoli.

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Doch die angedachte Vermarktungskooperation (Marketing, Hospitality), für die gleich zu Beginn ein Unterschriftsbonus von knapp 400.000 Euro geflossen wäre, liegt auf Eis. „Wir wissen, was wir mit dem Verein wollen“, meint Wacker-Präsident Gunsch, der kürzlich sogar eine UFA-Abordnung in Tirol begrüßen konnte. Man sei nicht übereingekommen, meinte er.

Damit geht die Suche nach Sponsoren weiter, vorerst heißen die im Wacker-Budget zu 70 oder 80 Prozent Stadt Land sowie stadt- und landeseigene Unternehmen. Die Drähte laufen heiß, bevor am Mittwoch wenige Tage vor Ablauf der Einreichfrist die Lizenzunterlagen abgegeben werden sollen. Das Land wird seinen Obolus zahlen (100.000 €), daneben sollen Tiroler Wasserkraft (100.000 €), Hypo (75.000 €) und Innsbrucker Kommunalbetriebe (25.000 €) einen Beitrag leisten. Kein zusätzliches Geld kommt seitens der Stadt. Dort beruft man sich auf einen einstimmig gefassten Gemeinderatsbeschluss aus dem Vorjahr. Den abzuändern sei vorerst nicht geplant, bestätigte Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer gegenüber der TT.


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