Toni Doppelpack feiert halbes Jahrhundert

Einer der größten Torjäger der österreichischen Fußball-Geschichte begeht heute seinen 50. Ehrentag: Toni Polster gibt’s schon ein halbes Jahrhundert – und mit seinen launigen Sprüchen trifft er immer noch ins Schwarze.

Von Josef Metzger

Wien –Toni Polster wird 50 oder: Doppelpack feiert heute halbes Jahrhundert. Toni, der Torjäger der Nation, der mit 44 Treffern in 95 Länderspielen den Rekord hält. Toni, Langzeit-Legionär in Italien, Spanien und Deutschland (Torino, Sevilla, Logrones, Rayo Vallecano, Köln, Mönchengladbach) und Karnevals-Ikone, aber echtes Wiener Vollblut. Toni, der Tausendsassa als Schützenkönig, Entertainer, Musikant, Dancing Star, Geschäftsmann, Zeitungskolumnist und TV-Kommentator, der lieber das Herz auf der Zunge trägt, statt Honig ums Maul zu schmieren.

An Toni Polster schieden sich die Geister einst und jetzt wie an seinem elf Jahre älteren Vorgänger und Vorbild Hans Krankl. Geliebt oder gehasst, bejubelt oder gebuht, gefeiert oder geschasst. Obenauf, untendurch, wieder obenauf. „Ja, das scheint mein Schicksal zu sein“, sagt Polster im Blick zurück zum Fünfziger. „Mir wurde oft nichts zugetraut, aber ich hab dann meistens die Erwartungen übertroffen – auch meine eigenen!“ Stimmt. Als 18-jähriger Austrianer war er zu Simmering abgeschoben, zurückgeholt und Monate später ins Team (Tor beim 4:0 gegen Türkei) berufen worden. Nach drei Meistertiteln mit Violett und dem Gewinn des Goldenen Schuhs (1987) verkaufte ihn der legendäre Joschi Walter zum AC Torino, von wo er zu Sevilla wechselte, um sich dort mit 33 Liga-Toren als einer der besten Torjäger Europas zu beweisen. Toni hin, Polster her, daheim fiel er in Ungnade. 60.000 pfiffen im November 1989, als er Österreich im Prater zum Schicksalsspiel gegen die DDR aufs Feld führte – 60.000 bejubelten seinen Triplepack, der uns zur Endrunde 1990 schoss. Polster: „Das war sicher einer der hässlichsten, aber auch einer der schönsten Momente meiner Karriere!“

Als Toni aus Spanien zu Köln ging, wurde ihm das bittere Karriereende prophezeit, aber Polster drehte den Spieß um, bewahrte Köln mit seinen Toren dreimal vor dem Abstieg, um selbst zu einem der populärsten Kicker Deutschlands aufzusteigen. Nicht nur weil er so viele Tore schoss, sondern auch weil er als TV-Gast verbale Volltreffer landete. Wie mit dem legendären (Wiener) Spruch vom „Blitzgneißer“, mit dem er den deutschen Moderator vor ein „Übersetzungsproblem“ stellte, das er aber selbst als Schnelldenker enträtselte. Seine Schlagfertigkeit hat eine gute Bildungsbasis – vier Jahre Volksschule bei den Piaristen, dann private Neulandschule, ehe er die Schulbank gegen die Fußballschule tauschte, um die Welt zu erobern, zumindest aber zwei WM-Endrunden. „Zweimal als Kapitän, das war natürlich ein Highlight.“ Auch wenn’s immer bei der Vorrunde blieb.

Das Auf und Ab blieb Polster auch nach dem Spielerleben treu, sportlich wie privat. Nach dem Gladbach-Management hatte ihn Stronach als Generaldirektor zur Austria geholt, mit der er ins UEFA-Cup-Viertelfinale einzog, um kurz danach vom Milliardär aus persönlichen Gründen gefeuert zu werden. Als spätberufener Trainer führte er die LASK-Amateure in die Regionalliga und die viertklassige Wiener Viktoria mit Titeln en suite in die Stadtliga, ehe es das kurze Bundesliga-Intermezzo mit Admira gab, wo er nach drei Runden abserviert wurde. Enttäuscht, verärgert, traurig? Polster: „Es war besser so, weil ich mir auch von keinem Sponsor eine Aufstellung diktieren lassen kann!“

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Also ist er jetzt als Retter in der Abstiegsnot wieder bei Viktoria gelandet. Wie gesagt – ein echter Wiener wie Toni Polster geht nie unter. Und kann nicht nur stolz auf sein erstes halbes Jahrhundert blicken, sondern auch auf die beiden erwachsenen Kinder, Anton Jesus und Lisa Maria, „die beide brav studieren“. Als Goalgetter in Rente hat er beiden mit seinen Toren am laufenden Band und lukrativen Verträgen das Tor ins Leben weit geöffnet. Als Vater ist Toni Polster trotz Rosenkrieg und Scheidung nämlich für immer Familienmensch geblieben.


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