In jeder Hinsicht schwindelfrei

Eine zweitägige Retrospektive im Leokino erinnert an den Tiroler Film-Pionier Theo Hörmann, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre.

Innsbruck –Wahlkampfwerbung ist eine fade Sache: Spitzenkandidaten posieren vor seltsamem Dekor, jonglieren mit Stehsatzbausteinen und wirken dabei ungefähr so authentisch wie ein Eisbär in der Wüste. Darüber hat sich der Tiroler Filmemacher Theo Hörmann schon 1962 geärgert. Sein Wahlwerbefilm für Innsbrucks amtierenden Bürgermeiser Alois Lugger sollte anders sein, frecher, überdrehter, ironischer. Otto Grünmandl schrieb dafür wortspielerische Stanzen, als Darsteller und Sänger wurden die „Innsbrucker Parodisteln“ engagiert. „Das passt schon so“, soll Lugger gesagt haben. Die wohlmeinenden Warnungen vor dem „anarchischen Potenzial“ des neunminütigen Kurzfilms ignorierte er. Nach erfolgreich geschlagener Wahl bedankte sich Lugger ganz offiziell für die „Hörmann-Stimmen“. Damals steckte Hörmann bereits Mitten in den Vorbereitungen für seinen Olympia-Film. „In den Bergen von Tirol“ sollte ihn 1964 weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannt machen. Die eindrückliche Chronik der IX. Olympischen Spiele in Innsbruck wurde in 12 Sprachen übersetzt, in 36 Ländern verkauft und u. a. bei der Berlinale präsentiert. Vier Millionen Schilling hat die Großproduktion gekostet. Das beachtliche finanzielle Risiko trug Hörmann selbst.

Seine eigene Filmproduktion hatte Hörmann bereits 1950 gegründet. Bis in die 1980er-Jahre entstanden hier zahllose Kurzfilme, vom Wochenschaubeitrag bis zur Auftragsarbeit für Touristiker. Dietmar Schönherr, Ernst Grissemann oder die Komponisten Werner Pircher und Bert Breit waren regelmäßige Mitarbeiter dieser Produktionen.

Mit dem Filmemachen kam Theo Hörmann bereits früh in Kontakt. 1931 engagierte Luis Trenker den Absolventen der Innsbruck Kunstgewerbeschule für die Dreharbeiten von „Berge in Flammen“. „Bischt schwindelfrei?“, fragte Trenker. Der gerade mal 18-Jährige bejahte und war fortan „Mädchen für alles“.

Als sprichwörtlich „schwindelfrei“ entpuppte sich Hörmann auch als uniformierter Jungfilmer im Zweiten Weltkrieg. Seine Aufnahmen vom Scheitern des deutschen Russlandfeldzugs taugten allerdings nicht zur NS-Propaganda. Sie gelten seit der Erstsichtung im Führerhauptquartier als verschollen. Das dokumentieren menschlichen Elends galt damals als „zersetzende Handlung“.

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Am 4. März wäre Theo Hörmann 100 Jahre alt geworden. Heute, Dienstag, und morgen, Mittwoch, erinnert das Stadtarchiv/Stadmuseum Innsbruck in Kooperation mit Hörmanns Sohn Walter mit einer Retrospektive im Leokino an den Tiroler Film-Pionier. (jole)


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