Motive abseits der Trampelpfade

61 Zeichnungen des Architekten Gerhard Leder wanderten als Schenkung in das Museum Schloss Bruck. Manch festgehaltenes Objekt ist längst aus der Landschaft verschwunden.

Ein Futterhaus in Virgen, zeichnerisch festgehalten 1989. Silvia Ebner freut sich über die Schenkung von Gerhard Leder (links) – hier mit Vermittler Heinz Waschgler.
© Museum Schloss Bruck

Von Claudia Funder

Lienz –Immer wieder war der bayerische Architekt, Künstler und Osttirol-Fan Gerhard Leder in den vergangenen Jahrzehnten im Bezirk Lienz auf Urlaub und griff dabei versiert zu Bleistift oder Tuschefeder. Auf Vermittlung seines langjährigen Freundes und Studienkollegen Heinz Waschgler kam der Kontakt zum Museum Schloss Bruck zustande, wo man sich nun über die Schenkung von 61 Exponaten aus dem vielseitigen Œuvre Leders freuen kann. „Die Übergabe der Werke fand am 2. April in Salzburg statt“, berichtet Museumsleiterin Silvia Ebner. „Die Werke werden nun inventarisiert und vielleicht einmal auf Schloss Bruck zu sehen sein. Noch schöner wäre es, wenn man sie im Iseltal präsentieren könnte, denn von hier stammen die meisten Motive.“

Die vergängliche bäuerliche Architektur in der Landschaft Osttirols hat es Leder besonders angetan und er hielt diese in mannigfacher Form zeichnerisch fest. Der ehemalige Professor und Dekan der Hochschule Rosenheim begab sich meist abseits üblicher Trampelpfade auf Motivsuche. Und verewigte alte Bauernhöfe, gewachsene Dorfstrukturen und sakrale Monumente – immer mit dem Blick eines Außenstehenden, der besondere Details entdeckte. „Alte Bau- und Bauernkultur hat mich immer schon interessiert, doch sie verliert zunehmend ihr ursprüngliches Aussehen, verändert sich“, so der Architekt über die Objekte mit Ablaufdatum. „Doch wer will noch in einer Rauchkuchl wohnen, auf Modernität verzichten – auch wenn dabei Kultur verloren geht?“ Leder hielt somit auch Zeugnisse der Vergangenheit fest – von den letzten Blockhäusern Matreis über ein Futterhaus in Obertilliach und Hinterhöfen in Großdorf bis hin zu einem verfallenen Stadel bei Virgen.

Die Momentaufnahmen der letzten Jahrzehnte sind deshalb nicht nur aus künstlerischer Sicht spannend, sondern auch von kulturhistorischem Wert. So manches Objekt schaut bereits völlig anders aus, einiges ist mittlerweile sogar gänzlich aus der Landschaft verschwunden.

„Unter den Zeichnungen befinden sich auch sehr schöne Beispiele, was es einst im Bezirk gegeben hat“, betont Ebner. „Auch aus diesem Grund werden diese Zeugnisse in Zukunft an Wert gewinnen.“

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