Straßenkinder-Fußball-WM in Rio: Jugendliche liefen um ihr Leben

Bei der Fußball-WM der Straßenkinder in Rio de Janeiro sind in den vergangenen Tagen 14- bis 16-Jährige Burschen und Mädchen aus aller Welt dem Ball nachgelaufen. Die Jugendlichen rannten jedoch vor allem um ihr Leben: „Allein in Brasilien werden täglich acht Straßenkinder ermordet“, erklärte Manuel Torquato, Leiter eines Netzwerks von 600 brasilianischen Hilfsorganisationen.

Rio de Janeiro – Die Straßenkinder-WM ist eine britische Idee und fand in Brasilien nach Südafrika zum zweiten Mal im Vorfeld der Fußball-WM statt. Die Spiele standen unter Beobachtung von Talente-Scouts. Daher bedeutete die Veranstaltung für die Spieler der 24 Mannschaften aus 19 Ländern eine enorme Chance, ihrem Elend zu entfliehen und eventuell sogar einen Vertrag bei einem Verein zu ergattern.

16-Jähriger kurz vor Turnier erschossen

Einen solchen Profivertrag in der ersten Liga des nordöstlichen Bundesstaates Ceara hatte der 16-jährige Rodrigo, Spielmacher des brasilianischen Burschenteams, bereits vor der WM in der Tasche. Doch 20 Tage vor Beginn des Turniers endete die Karriere des Talents jäh. Rodrigo wurde in Fortaleza auf dem Weg zum Training hinterrücks mit vier Schüssen ermordet. Die Hintergründe der Bluttat sind unklar: Möglicherweise hatte eine Drogenbande etwas damit zu tun, möglicherweise wurde Rodrigo das Opfer einer Verwechslung, sagte Sozialarbeiter Manuel Torquato vor österreichischen Journalisten im Rahmen einer von der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ organisierten Pressereise durch Brasilien.

Ein Bild des ermordeten Rodrigo wurde von seinen Teamkameraden bei ihrer Eröffnungspartie mit auf das Spielfeld getragen. Ohne ihren Spielmacher blieben die Brasilianer jedoch im Turnierverlauf glücklos und erreichten nicht einmal das Semifinale. Das Finale im Stadion von Fluminense, dem ältesten Fußballverein in Rio, war Sonntagabend (MEZ) eine rein afrikanische Angelegenheit, bei der sich das Team aus Tansania mit 3:1 gegen Burundi durchsetzte.

„Durch Sport von der Straße wegbringen“

Wesentlich besser lief es für das brasilianische Frauenteam, das es ins Finale schaffte und dort mit 1:0 über die Philippinen siegte. Die Probleme der Jugendlichen, die auf der Straße leben müssen, betreffen Burschen wie Mädchen jedoch gleichermaßen. „Wir wollen sie durch Sport von der Straße wegbringen und ein Abgleiten in die Kriminalität verhindern“, erklärte Torquato.

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Von einem besseren Leben durch Fußball träumt auch die 17-jährige Weltmeisterin Diane, die aus ärmsten Verhältnissen in der Favela Penha in Rio stammt. „Mein Vorbild ist Lionel Messi“, sagte die Mittelfeldspielerin. Wie er will Diane irgendwann mit Fußball gutes Geld verdienen. Vorerst regiert aber bittere Armut ihr Leben. Ihre Mutter Eliane (45) ist stolz auf ihre Tochter und unterstützt sie in ihrem Bemühen. Ein Spiel von Diane konnte sie allerdings nicht verfolgen. „Ich muss Geld verdienen“, sagte die Verkäuferin. (APA)


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