Ob SV Völs oder AS Roma: Gute Freunde kann niemand trennen

Der eine studiert Medizin und kämpft mit Völs um den Tiroler-Liga-Klassenerhalt, der andere geigt als Profi bei AS Rom und im bosnischen Team. Trotzdem sind Ricardo Thom und Miralem Pjanic beste Freunde.

Beste Freunde, die in verschiedenen Welten leben: Roms Miralem Pjanic (l.) und der Völser Ricardo Thom.
© Thom

Von A. Stöckl und T. Waidhofer

Innsbruck – Ein Kinderzimmer irgendwo in Luxemburg: Zwei Freunde, beide zehn Jahre alt, halten den Atem an und lauschen den Schritten der Eltern. Die Wand zieren Poster von Mehmet Scholl und Hasan Salihamidzic. Die Uhr schlägt Mitternacht. Jederzeit könnte das Duo beim Fußball-Manager-Spielen ertappt werden. Die Tür geht auf, die Laptops verschwinden unter der Bettdecke, die Augen fallen wie auf Kommando zu. Kaum ist die Luft rein, geht auch der Laptop wieder an. Das Fußballfieber grassiert – für Ricardo Thom, mittlerweile Völs-Mittelfeldspieler, und Miralem Pjanic, den Roma-Star, gab’s nie etwas anderes.

„Einer hat immer gelauscht, wann’s wieder geht“, erzählen Pjanic und Thom unisono und lachen. „Oder erinnerst du dich, als wir die zerschossene Glastüre mit Superkleber flicken wollten?“, fragt der bosnische Nationalspieler im Gespräch mit seinem Jugendfreund. Wieder Gelächter. „An solche Anekdoten denke ich immer gerne“, schwelgt Pjanic in Erinnerungen.

Seit ihrem siebten Lebensjahr kennen sich die Freund­e. Angefangen im eigenen Dorfverein, dem FC Schifflingen 95, über Auswahlen und Jugendnationalteams – die Karrierewege verliefen lange parallel. „Wir haben in Luxemburg alles gewonnen, auch gegen die Älteren“, denkt Thom gerne an die „alten Zeiten“ zurück.

Irgendwann aber trennten sich die Wege. „Es war abzusehen, dass so ein Talent nicht lange in Luxemburg spielt“, weiß Thom. Pjanic drückt das bescheidener aus: „Ricardo und ich waren ähnlich gut. Meine Passion war größer und ich war in der Schule dafür vielleicht ein bisschen schlechter“, schmunzelt der Spielmacher. Dem entgegnet der Wahl-Innsbrucker, dass „Mire, seit er elf war, in der luxemburgischen Jugend-Nationalelf immer einen Jahrgang über mir gespielt hat“.

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Mit 14 Jahren verschlug es Pjanic zum französischen Erstligisten FC Metz, um dort drei Jahre später in der Ligue 1 zu debütieren. „Wenn du das erste Mal als Profi auf dem Platz stehst, willst du immer mehr“, erklärt Pjanic, den sein Weg über Olympique Lyon (2008–2011) letztlich zum AS Rom führte.

Nach seinem Ligue-1-Debüt erhielt der im bosnischen Tuzl­a geborene 23-Jährig­e auch die erste Einberufung in die bosnische Nationalmannschaft. „Für mich war das eine Herzensangelegenheit. Außerdem sind die Chancen auf ein EM- oder WM-Turnier mit Bosnie­n größer als mit Luxemburg.“ Mit der Teil­nahme an der WM 2014 in Brasilien erfüllt er sich einen Kindheitstraum („Ich hoffe, wir können allen Bosniern ein­e Freude bereiten, indem wir so gut abschneiden wie möglich“).

Obwohl Thom alle Jugendauswahlen Luxemburgs durchlief, hat er sich von einer Profikarriere längst verabschiedet. Auch weil bei einem U21-Länderspiel für Luxemburg das Kreuzband riss. Der 23-Jährige konzentriert sich auf sein Medizin-Studium, weswegen er vor drei Jahren auch nach Innsbruck gezogen ist und sich sofort im Unterhaus zurecht gefunden hat (ISK, Reichenau, Völs, Futsal Innsbruck).

Bleibt aber zwischen Serie A, Studium, WM und Unterhaus überhaupt Zeit für Freundschaft? „Bei richtigen Freunden ist die Distanz kein Problem“, schließt der in Anlehnung an Francesco Totti liebevoll „kleiner Prinz“ genannt­e Pjanic. „Okay, bis Mai“, verabschieden sich die Freunde. Dann empfängt die Roma Juventus. Mit Pjanic auf dem Spielfeld und Thom auf der Tribüne.


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