Ischgler Glocke schläft nie

Das Stundenschlagen in der Nacht wurde schon in zahlreichen Tourismusgemeinden eingestellt. In Ischgl ist es Tradition.

Von Matthias Reichle

Landeck –Ischgl ist für sein Après-Ski und seine langen Nächte bekannt. Da kann es passieren, dass sich jene, die noch wach sind, und jene, die schon wach sind, auf der Straße begegnen. Nur eines lassen sich die Ischgler deshalb nicht nehmen: „Bei uns schlägt die Glocke durch, die ganze Nacht, viertelstündlich“, betont TVB-Chef Andreas Steibl. „Das ist Tradition und gehört zu jedem Tiroler Dorf dazu.“ Dass das nicht zu Protesten führt, sei auch damit zu erklären, dass sie sehr leise ist sowie die Fenster inzwischen überall gut isoliert sind, betont Pfarrer Michael Stieber. „Es gab bei mir bisher keine Beschwerde.“

Wie in der Tiroler Tageszeitung berichtet, hat sich der Fließer Pfarrgemeinderat nach einem halben Jahr Beratung mehrheitlich dazu entschlossen, das Stundenschlagen der Glocke zwischen 22 und 6 Uhr abzustellen. Passiert ist das auf Wunsch von Hoteliers. „Sturheit in Bezug auf Uhrzeit- oder Bet-Läuten sind manchmal Zeichen eines eigenartig leeren Traditionsbewusstseins – das es auch anderswo zu entlarven gilt“, betont der dortige Pfarrer Martin Riederer. Ohne einen Gedanken ans Gebet werde der Brauch hohl und sinnlos.

Ähnlich wie in Fließ wurde das Stundenläuten zum Beispiel auch am Sonnenplateau zwischen 22 und 6 Uhr Früh eingestellt, berichtet Pfarrer Willi Pfurtscheller. Nur am Betläuten in der Früh wolle man nicht rütteln. „Da sind wir Oberländer felsefescht“, betont er und erzählt die Geschichte einer Hotelierin, die den Gast bei einer Beschwerde zum Beten aufgefordert hat, „da war jeder weitere Disput zwecklos“. Auch in Pfunds sei zwischen 10 und 6 Uhr keine Glocke zu hören, erklärt Dekan Franz Hinterholzer. Zu jenen, die sich mehr Ruhe in der Nacht wünschen, gibt es immer auch eine Gegenströmung, „die sagen, das lassen wir uns nicht nehmen“.

Ganz minimalistisch gehen es die St. Antoner an. Dort gibt es überhaupt kein Stundenläuten, sondern nur ein Betläuten um 12 und 18 Uhr, sowie am Freitag und Samstag um 15 Uhr. Sonst herrscht Ruhe.


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