Der Titel weckt bei Hypo den größten Appetit

Das Hypo Tirol Volleyballteam will die Erfolgsgeschichte mit dem siebenten Titelgewinn prolongieren. Final-gegner Aich/Dob soll am Mittwoch (20.15 Uhr/USI) sofort wissen, dass heuer nur Rang zwei zu holen ist.

Nach dem Frühstückskaffee über den Dächern Innsbrucks geht es auf in den Titelkampf – Hypos Dreieck um Manager Hannes Kronthaler (r.), Coach Stefan Chrtiansky (M.) und Allrounder Gernot Hupfauf steht wie eine Eins.
© Andreas Rottensteiner / TT

Von Alex Gruber

Innsbruck –Hätte man Hypo-Manager Hannes Kronthaler am Montag „Cevapcici“ serviert, hätte er sie wohl umgehend über die hauseigene Dachterrasse geschmissen. Nicht, weil er ein internationaler Kostverächter ist, sondern weil ihm der Geruch dieser Spezialität, mit dem Aich/Dob in der letzten Saison vor den eigenen Hallentoren in der Kärntner Provinz den Titelgewinn feierte, noch heute sauer aufstößt. „Das Jahr des zweiten Platzes war mühsam“, sagt der Erfolgsmensch, bevor er an seiner Kaffeetasse nippt. Zweiter heißt in seiner Sprache ja nichts anderes als erster Verlierer. Und ein Jahr ohne etwaige Finalteilnahme des Hypo Tirol Volleyballteams bezeichnet er schlichtweg als Katastrophe.

Dass die Hypo-Stars nicht im Finale der Austrian Volley League stehen, ist aber ohnehin eine pure Fiktion. Zum 14. Mal in Serie schlagen die Tiroler um den Titelgewinn auf, die 50 Prozent will man mit dem siebenten Gewinn der Meisterschaft heuer perfekt machen. „Nächstes Jahr holen wir uns dann den achten Titel und sind endgültig über dem Strich“, führt Kronthaler lachend aus.

An seiner Seite sitzt mit Headcoach Stefan Chrtiansky ein Vereinsmeier, der seit Anbeginn aller Finalserien das Los mit Kronthaler teilt. Ein Erfolgsduo par excellence türmt sich da über den Dächern Innsbrucks auf. Zweier-Coach, Nachwuchsleiter, Sprachrohr und Marketing-Mann Gernot Hupfauf bildet die goldene Mitte. Auch aus der entspringt im Hypo-Lager seit Jahren ein Fluss.

„Wenn wir nicht für eine gewisse Qualität stehen würden, wären wir gar nicht hier“, hält Kronthaler fest. Chrtiansky und Hupfauf nicken. Die verlorene Finalserie in der Vorsaison nach vielen Verletzungsproblemen und im siebenten und entscheidenden Spiel in Bleiburg geistert noch im Hinterkopf herum. „So schnell vergisst man so etwas nicht. Es war brutal, nach einer 3:1-Führung noch zu verlieren“, hält Chrtiansky fest. Um mit dem Brustton der Überzeugung hinterherzuschicken, dass es heuer nicht ein zweites Mal dazukommt. „Wir haben ein Team mit viel Erfahrung und Qualität. Wir müssen uns auf uns konzentrieren, dann gibt es keine Frage“, ist sich der Slowake sicher, auf welcher der beiden Seiten in dieser Spielzeit der Titelhammer hängt.

Einer wie Kronthaler überlässt nichts dem Zufall. Weil Aufspieler Tamas Kaszap auf dem Weg zur Rückeroberung des Titels „ein Unsicherheitsfaktor“ gewesen sei, holte der Manager mit Angel Perez einen Puerto Ricaner an Bord. „Ich will Meister werden und sehe diese Verpflichtung nicht als Maßnahme gegen Alex Tusch, sondern für seine Unterstützung. Sonst hätte er die ganze Last getragen. Und würden wir den Titel verpassen, wäre seine Karriere vielleicht sogar vorbei“, erklärt Kronthaler seinen Masterplan.

Titelgewinn hin oder her, ist die Qualität des Hypo Tirol Volleyballteams wohl auch in den kommenden Jahren gesichert. „Die Zeichen auf Verlängerung sind sehr positiv. Die Sponsoren stehen zu unserem Verein, die Qualität, die wir auch im Nachwuchs liefern, wird honoriert“, erklärt Bauherr Kronthaler, dass sich trotz jährlichem Kampf auch das finanzielle Puzzle zusammensetzen lassen sollte. Der erneute Weg in die Champions League steht ja bevor. „Zum jetzigen Zeitpunkt suche ich aber sicher nicht wieder um eine Wild Card für eine Teilnahme an“, erklärt Kronthaler, dass er mit dem Begriff „Vizemeister“ ein zweites Mal absolut nicht mehr warm werden kann. Auf den Frühstückscafe soll im April 2014 wieder der obligatorische Meistersekt folgen.

„Wir können das Finale schon riechen und es ist ein besonderer Anreiz, den Titel wieder nach Tirol zurückzuholen“, hat auch die 14. Finalteilnahme in Serie nichts am ewigjungen Reiz eines gewonnenen Titels verloren. „Wir haben einen neuen Aufspieler. Alle sind hungrig den Titel zu holen. Und wir haben Spieler wie Rak oder Peda im Team, die uns auch in puncto Coolness und Erfahrung verstärkt haben“, sieht Kronthaler das Heft klar in Tiroler Hand. Nachsatz: „Die Gefahr des Unterschätzens besteht gleichzeitig auch nicht.“

Mit dem Finale wird beim Hypo Tirol Volleyballteam auch wieder der Wunsch nach dem Publikumsjoker laut. 1500 Fans wie bei den Champions-League-Heimspielen in der Olympiahalle (Kronthaler: „Wir hatten die beste Heimhalle in ganz Europa“) wären auch in der USI ein Traum.

Erst einer der sechs gewonnenen Titel wurde übrigens zuhause gefeiert, den siebten Streich mache man laut Kronthaler aber auch gerne auf fremden Boden klar: „Wir feiern überall. Aber mit Zillertaler Krapfen statt mit Cevapcici.“


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