Vertrauen steigt, Griechen wollen sich selbst finanzieren

Griechenland möchte noch vor dem Sommer auf den Kapitalmarkt zurückkehren, die Renditen auf Staatsanleihen sind stark gesunken.

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Athen, Brüssel –In den vergangenen fünf Jahren hat Griechenland Rettungshilfen in Höhe von 240 Milliarden Euro bekommen. In den kommenden zwei Monaten will das einst pleitegefährdete Land bereits versuchen, sich selbst zu finanzieren. Noch vor dem Sommer will Griechenland es wagen, sich über drei- und fünfjährige Staatsanleihen wieder selbst Geld am Kapitalmarkt zu besorgen. Wann genau diese Rückkehr an den Finanzmarkt erfolgen soll, dazu hält sich der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras noch bedeckt. „Wir werden es im ersten Halbjahr, bis Anfang des Sommers machen“, sagte er im griechischen Rundfunk. Es gebe „absolut keine Eile“, stellte er klar. Die Medien des Landes hatten in den vergangenen Tagen spekuliert, Griechenland könnte schon in den kommenden Tagen den Schritt an die Kapitalmärkte wagen. Von Seiten des Finanzministeriums hieß es, dass man bereit sei.

Noch am Wochenende hatte Klaus Regling, Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, den Schuldenstaat gewarnt, zu viel Zinsen für frisches Geld zu zahlen. Es sei „natürlich“, dass man die Märkte testen wolle. Das Land solle den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen.

Auf dem Anleihenmarkt ist das Vertrauen in die Euro-Länder aber nach mehr als fünf Jahren Finanzkrise wieder deutlich zurückgekehrt. Die Renditen für Zehn-Jahres-Anleihen sind in praktisch allen Staaten der Währungsunion gesunken. Im Jahr 2012 hätte Griechenland noch eine Rekordrendite in Höhe von 36,6 Prozent zahlen müssen, gestern waren es immerhin 6,1 Prozent. Die Zinsen auf portugiesische Anleihen sind von ihrem Höchststand von 16,4 Prozent im Jahr 2012 auf aktuell 3,8 Prozent zurückgegangen. Irland musste am Höhepunkte der Krise 2011 Zinsen von 11,8 Prozent zahlen, jetzt sind es nur noch 2,8 Prozent. Im Vergleich dazu kletterten die Renditen auf österreichische Zehn-Jahres-Anleihen 2011 auf 3,8 Prozent, aktuell sind es 1,8 Prozent.

Der ehemalige Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, der zurzeit als Spitzenkandidat der Konservativen fürs EU-Parlament kandidiert, macht von seinem eigenen Vorschlag von Eurobonds einen Rückzieher. Sollte er zum EU-Kommissionspräsidenten aufsteigen, dann sollen „in den nächsten fünf Jahren“ in Europa „keine Schulden gemeinsam bedient werden“, sagte er. Vielleicht in zehn bis 15 Jahren wäre die Euro-Gruppe so weit, gemeinsame Anleihen zu begeben.

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Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, will im Kampf gegen die Deflation in Europa verstärkt auf mit Forderungen besicherte Wertpapiere setzen. (TT, dpa, APA)


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