Hilfswerk warnt vor „neuer Form des Analphabetismus“

Karas: Das Bekenntnis der Regierung zur Förderung „wird zu wenig sein.“ Er erhofft sich einen konkreten Aktionsplan bis Jahresende.

Wien - Den „Finger in eine bestehende Wunde unserer Gesellschaft“ will das Österreichische Hilfswerk beim Thema Medienkompetenz legen. Kinder und Jugendliche würden heutzutage immer mehr Zeit mit (neuen) Medien verbringen, dennoch habe dieser Aspekt „zu wenig Bedeutung in der bildungspolitischen Debatte“, wie Hilfswerk-Präsident Othmar Karas betonte. Er warnte vor einer „neuen Form des Analphabetismus“.

Karas appellierte am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz auch an die Bundesregierung. Zwar gebe es im aktuellen Arbeitsprogramm ein Bekenntnis zur Förderung der Medienkompetenz, das sei aber „sehr schwach“ formuliert. „Das wird zu wenig sein. Das Thema darf nicht in ein Ressort, in eine Schublade gesteckt werden.“ Entsprechend erwarte er sich einen „Kompetenzcluster“, der bis Jahresende einen konkreten Aktionsplan vorlegen soll, um „diese allgemeine Formulierung zu konkretisieren und umzusetzen“.

Mehr Ausbildung für Pädagogen

Wichtig ist dem Hilfswerk in diesem Zusammenhang, dass Medienkompetenz stärker bei der Aus- und Weiterbildung von Pädagogen berücksichtigt wird sowie technische Geräte auch als „pädagogisches Material“ anerkannt werden. Zudem brauche es eine Entlastung der Schulen durch flankierende Maßnahmen, niederschwellige Beratungsangebote für Eltern und Erziehende und mobile Erziehungsberatung, die vor Ort ansetzen könne.

Eine Hilfestellung soll der „Medienkompass“ des Hilfswerks bieten, der auf 44 Seiten wichtige Infos zu Fernsehen, Handy oder Internet zusammenfasst. „Der Druck, sein Kind richtig zu erziehen, steigt“, erläuterte die Psychologin und Pädagogin Martina Genser-Medlitsch. „Wichtig dabei ist: Es hilft nichts, panisch zu werden. Man darf der Mediennutzung nicht mit Verboten und einem Fernhalten begegnen.“ Stattdessen sprach sich die Pädagogin dafür aus, den „Hausverstand“ walten zu lassen und „Schritt für Schritt Verantwortung in die Hände der Heranwachsenden“ zu geben.

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„Wir alle tragen Verantwortung“, betonte wiederum Karas. Einer Studie im Auftrag der Konrad Adenauer Stiftung („Erziehung in der Wohlstandsgesellschaft“, 2013) zufolge würden zwar 83 Prozent der Eltern heutzutage versuchen, auf die Mediennutzung ihrer Kinder Einfluss zu nehmen. Aber nur 13 Prozent gaben an, auch wirklich gemeinsam mit ihren Kindern online zu gehen. Dieses Spannungsverhältnis gelte es zu adressieren und zu verringern, so Karas. „Neue Medien sind mittlerweile Alltag. Man darf sie nicht verdammen oder aussperren, sondern muss sich den Chancen und Gefahren stellen.“ (APA)


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